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KĂ€fer
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Die KĂ€fer (Coleoptera) sind mit ĂŒber 380.000cite-ref-1[1] beschriebenen Arten in 179 Familien die weltweit grĂ¶ĂŸte Ordnung aus der Klasse der Insekten – noch immer werden jĂ€hrlich hunderte neue Arten beschrieben. Sie sind auf allen Kontinenten außer in der Antarktis verbreitet; in Mitteleuropa kommen rund 8000 Arten vor, davon etwa 7000 auch in Deutschland.cite-ref-artenzahl-d-2-0[2] Die bislang Ă€ltesten Funde fossiler KĂ€fer stammen aus dem Perm und sind etwa 265 Millionen Jahre alt.

Der Körperbau der KĂ€fer unterscheidet sich von dem anderer Insekten, da die augenscheinliche dreiteilige Gliederung nicht dem Kopf, der Brust und dem Hinterleib entspricht, sondern der zweite Abschnitt nur aus dem Prothorax besteht, von dem auf der Körperoberseite nur der Halsschild sichtbar ist. Die ĂŒbrigen beiden Abschnitte der Brust bilden mit dem Hinterleib eine Einheit und werden vom sklerotisierten ersten FlĂŒgelpaar, den DeckflĂŒgeln, ĂŒberdeckt.

Mit etwa 170 Millimetern LĂ€nge ist der RiesenbockkĂ€fer (Titanus giganteus) aus Brasilien die grĂ¶ĂŸte KĂ€ferart; die GoliathkĂ€fer zĂ€hlen mit etwa 100 Gramm Gewicht zu den schwersten Insekten ĂŒberhaupt. In Europa schwankt die GrĂ¶ĂŸe der KĂ€fer zwischen ungefĂ€hr 0,5 und 75 Millimetern, der grĂ¶ĂŸte mitteleuropĂ€ische KĂ€fer ist der HirschkĂ€fer (Lucanus cervus).

Contents

‱ Etymologie
‱ FĂ€rbung
‱ Kopf
‱ Wasser
‱ Atmung
‱ Paarung
‱ Systematik
‱ NĂŒtzlinge
‱ Nahrung
‱ Medizin
‱ Vivaristik
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Etymologie

Das Wort KĂ€fer hat germanische Sprachwurzeln. Bereits im 9. Jahrhundert findet sich das Wort cheuur, im 10. Jahrhundert chefuar, ein Jahrhundert spĂ€ter finden sich die AusdrĂŒcke cheuove, cheuer und keuir. Sie bezeichneten jedoch nicht KĂ€fer, sondern Heuschrecken. Aus dem 13. Jahrhundert ist das Wort kever belegt, wortverwandt mit Kiefer. Beide Wörter sind von einer Wortwurzel mit der Bedeutung „kauen, nagen“ abgeleitet. Erst in den folgenden Jahrhunderten vollzog sich der Bedeutungswandel des Wortes kefer von „Heuschreckenlarve“ zu „KĂ€fer“. FĂŒr die KĂ€fer wurde von den Germanen auch das Wort webila benutzt. Im 11. Jahrhundert taucht das Wort wibil, im darauffolgenden Jahrhundert wibel auf, was im Englischen in der Form weevil als Bezeichnung fĂŒr die RĂŒsselkĂ€fer sowie in mundartlichen Benennungen wie Perdswievel fĂŒr RosskĂ€fer weiterlebt. Schon frĂŒh findet man Unterscheidungen wie scaernwifel und tordwifel fĂŒr MistkĂ€fer, und im 15. Jahrhundert werden bereits verschiedene KĂ€ferfamilien sprachlich unterschieden.cite-ref-klausnitzer-3-0[3]

Die wissenschaftliche Bezeichnung Coleoptera kommt aus dem Altgriechischen. Mit ÎșÎżÎ»Î”ÏŒÏ‚ koleĂłs wurde die lederne HĂŒlle bezeichnet, in die das Schwert gesteckt wurde, und mit πτΔρόΜ pterĂłn der FlĂŒgel. Die ledrig anmutenden DeckflĂŒgel der KĂ€fer, welche die HinterflĂŒgel teilweise umhĂŒllen, fĂŒhrten zu der Namensgebung.

Merkmale der KĂ€fer

Die Körperform der Imagines ist sehr vielfĂ€ltig und variiert von sehr langen und schlanken bis zu gedrungenen, kurzen Arten. Es gibt dabei sehr flache bis stark kugelig geformte Körper. Die Körperform stellt eine Anpassung an die Lebensweise der jeweiligen Art dar. So sind KĂ€fer, die unter loser Rinde leben, immer flach; im Wasser lebende Arten, insbesondere schnelle Schwimmer, haben eine Stromlinienform; kletternde KĂ€fer, deren Fluchtverhalten darin besteht, sich bei Gefahr fallen zu lassen, sind kugelig. Die Strukturierung der KörperoberflĂ€chen ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von glatten und glĂ€nzenden bis hin zu stark strukturierten OberflĂ€chen mit Runzeln, Gruben, Rillen und Höckern. Ein entscheidender Evolutionsfaktor fĂŒr die Ausbildung der Körperform ist, insbesondere bei bizarr geformten Arten, die Funktion der Tarnung vor Fressfeinden.

Der Körperbau der KĂ€fer folgt dem grundsĂ€tzlichen Bau der Insekten. Der Körper besteht aus drei Abschnitten: Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Die sichtbare Gliederung entspricht bei den KĂ€fern aber nicht Kopf, Brust und Hinterleib. Der zweite sichtbare Abschnitt besteht nur aus dem ersten Segment der Brust, das zweite und dritte Segment bilden mit dem Hinterleib eine Einheit, die von den DeckflĂŒgeln (Elytren) ĂŒberdeckt ist. Die Elytren sind das erste, stark sklerotisierte FlĂŒgelpaar, das das zweite FlĂŒgelpaar schĂŒtzt. Bauchseits ragen die hinteren Teile der Brust ĂŒber die ersten Hinterleibssegmente hinaus, so dass auch hier das zweite und dritte Brustsegment zusammen mit dem Hinterleib eine optische Einheit bildet. KĂ€fer haben, bis auf wenige Ausnahmen, ein stark sklerotisiertes Außenskelett unter Beteiligung von Chitin. Als ExtremitĂ€ten besitzen sie wie alle Insekten sechs Beine und zwei, bei den einzelnen Arten allerdings sehr unterschiedlich gestaltete, FĂŒhler. KĂ€fer gehören zu den Insekten mit kauenden Mundwerkzeugen. Wie alle Insekten haben sie ein Strickleiternervensystem, das jedoch dahingehend abgewandelt ist, dass sich im Hinterleib keine Ganglien mehr befinden. Das BlutgefĂ€ĂŸsystem ist offen und besitzt ein Röhrenherz. Der einfache Verdauungstrakt mit den Malpighischen GefĂ€ĂŸen und das Tracheensystem fĂŒr die Atmung entsprechen ebenfalls dem allgemeinen Bauplan der Insekten. Es gibt aber wegen der durch die lange Evolutionszeit bedingten Vielfalt der KĂ€fer in fast allen Bereichen der KĂ€feranatomie Abweichungen von diesem Grundbauplan.

KörpergrĂ¶ĂŸe

Die KörpergrĂ¶ĂŸe der KĂ€fer ist durch die Tatsache nach oben begrenzt, dass die Luft durch das Tracheensystem zu den Organen transportiert werden muss. Die grĂ¶ĂŸten KĂ€fer sind deswegen trĂ€ge. Nach unten ist die KörpergrĂ¶ĂŸe lediglich dadurch beschrĂ€nkt, dass der komplexe Körperbau noch verwirklicht werden kann. Die Arten der ZwergkĂ€fer (Ptiliidae) und PunktkĂ€fer (Clambidae) zĂ€hlen zu den kleinsten KĂ€fern und zu den kleinsten Insekten ĂŒberhaupt; es gibt Arten, die weniger als 0,5 Millimeter lang werden. FeuerkĂ€fer (Pyrochroidae) und ÖlkĂ€fer (Meloidae) sind Familien mit durchschnittlich sehr großen Arten. Die grĂ¶ĂŸten Arten weltweit zĂ€hlen aber zu den BockkĂ€fern (Cerambycidae) und RosenkĂ€fern (Cetoniinae). Innerhalb dieser Familien kommt es aber zu großen LĂ€ngenunterschieden; der kleinste BockkĂ€fer wird nur etwa drei Millimeter lang, mit etwa 170 Millimetern LĂ€nge ist dagegen der RiesenbockkĂ€fer (Titanus giganteus) die grĂ¶ĂŸte bekannte KĂ€ferart ĂŒberhaupt. Auch die KörpergrĂ¶ĂŸe bei Vertretern einer Art kann betrĂ€chtlich schwanken, so variiert die KörperlĂ€nge des Moschusbocks zwischen 13 und 34 Millimetern. Da die Imagines nicht mehr wachsen können, sind solche GrĂ¶ĂŸenunterschiede allein auf unterschiedlich gĂŒnstige Lebensbedingungen wĂ€hrend der Larvenstadien zurĂŒckzufĂŒhren. Auch zwischen den Geschlechtern derselben Art bestehen manchmal, aber eher selten erhebliche GrĂ¶ĂŸenunterschiede.cite-ref-4[4] Auffallend grĂ¶ĂŸere MĂ€nnchen gibt es zum Beispiel bei den HirschkĂ€fern, bei denen die MĂ€nnchen RevierkĂ€mpfe durchfĂŒhren. Meistens ist allerdings das Weibchen das grĂ¶ĂŸere Geschlecht.

FĂ€rbung

Die FÀrbung der KÀfer ist ebenso vielfÀltig wie ihre Körperform. Die meisten KÀfer sind zwar dunkel oder in Brauntönen gefÀrbt; es gibt aber zahlreiche Arten mit gemusterten, krÀftig leuchtenden oder metallisch glÀnzenden Körpern. Die FÀrbung wird durch Pigmentierung oder durch Strukturfarben verursacht.

Die in der Regel metallisch glĂ€nzende Farbe wird durch physikalische PhĂ€nomene wie beispielsweise Interferenz oder Streuung hervorgerufen. Dies tritt hĂ€ufig bei dĂŒnnschichtigen Strukturen wie beispielsweise Haaren (Setae) oder Schuppen auf oder auch bei spezieller Schichtung der Lagen aus parallelen Chitinfasern. Dabei ĂŒberdeckt die FĂ€rbung der Haare und Schuppen oft die Grundfarbe. Muster können zustande kommen, indem in unbehaarten oder unbeschuppten Bereichen die Grundfarbe hervortritt. Oft sehen deswegen auch Ă€ltere Tiere, bei denen die Behaarung verschwunden ist, anders aus als frisch aus der Puppe geschlĂŒpfte Tiere. Gleichzeitig sind frisch geschlĂŒpfte KĂ€fer aber in der Regel in den ersten Stunden noch nicht voll ausgefĂ€rbt. Bei vielen Arten sind MĂ€nnchen und Weibchen unterschiedlich gefĂ€rbt (Sexualdichromatismus).

Bei manchen KĂ€ferarten ist eine auffallende Konstanz der Zeichnung erkennbar, bei anderen dagegen eine starke VariabilitĂ€t. Bei den MarienkĂ€fern (Coccinellidae) gibt es beispielsweise Arten, die hunderte verschiedene Muster- und Farbvarianten hervorbringen. Diese Tiere wurden frĂŒher, wenn sie nicht sogar als eigene Arten behandelt wurden, mit eigenen Aberrationsnamen belegt und so in den Stand von systematischen Gruppierungen versetzt. Diese Annahmen sind aber mittlerweile wissenschaftlich ĂŒberholt; die meisten derartigen Bezeichnungen sind heute nicht mehr in Verwendung. Als anderes Extrem sind beispielsweise bei der Gattung Trichodes aus der Familie der BuntkĂ€fer oder bei der Gattung Clytus aus der Familie der BockkĂ€fer die Muster bei den verschiedenen Arten nahezu gleich. Die FĂ€rbung der Tiere ist oft auch ein wichtiges Merkmal fĂŒr ihre Tarnung und Verteidigung (siehe Tarnung und Verteidigung weiter unten).

Kopf

Der Kopf ist das Zentrum des Nervensystems der Tiere. Er enthĂ€lt die beiden wichtigsten Konzentrationen an Nervenzellen, das Oberschlundganglion und das Unterschlundganglion, die zusammen als Gehirn bezeichnet werden. Außerdem liegen auch viele Sinnesorgane im Kopf, wenn auch nicht alle. Die wichtigsten Teile sind Facettenaugen, FĂŒhler und Mundwerkzeuge. Die Kopfkapsel, die schĂŒtzend das Gehirn umschließt, besteht aus einem Acron (Kopflappen) und sechs miteinander verwachsenen Segmenten. Der Kopf kann je nach Art sehr unterschiedlich geformt sein. Es gibt runde bis eckige und kurze bis extrem langgestreckte Kopfformen. Bei manchen Arten kann der Kopf durch einen großen Kopfschild nach vorne verlĂ€ngert sein. Der Kopf wird in mehrere Bereiche unterteilt:

| Bezeichnung | Position |
|---|---|
| Stirn ( Frons ) | vorderer Bereich |
| SchlÀfe (Tempus) | zwischen Auge und Kopfhinterrand |
| Wange ( Gena ) | Seite des Kopfes vor den Augen und dem Scheitel |
| Scheitel ( Vertex ) | Oberseite des Kopfes hinter den Augen |

Mundwerkzeuge

Die KĂ€fer besitzen beißend-kauende Mundwerkzeuge. Diese stellen die ursprĂŒnglichste Form der Mundwerkzeuge dar, bei der noch die Verwandtschaft zu den Kopfbeinen der Krebstiere erkennbar ist. Trotzdem zeigen sie eine hohe Spezialisierung auf die jeweilige ErnĂ€hrungsweise. Sie bestehen aus paarigen Mandibeln (Oberkiefer) und paarigen Maxillen (Unterkiefer) sowie einem unpaaren Labium (Unterlippe). Das Labium besteht aus einem unpaaren BasalstĂŒck, das die Funktion der Unterlippe hat. Dann folgt nach oben die unpaare Zunge (Glossa) mit den beiden Nebenzungen (Paraglossae). Nach oben hin werden die Mundwerkzeuge durch das Labrum (Oberlippe), eine unpaare Platte, abgeschlossen. Die Mandibeln sind die wichtigsten Werkzeuge zum Nahrungserwerb. Sie dienen den Pflanzenfressern dazu, Pflanzenteile abzuschneiden und zu zerkleinern; die RĂ€uber können mit ihren spitzen und scharfen Mandibeln ihre Beute packen, festhalten und in fressbare Portionen zerteilen. Einige wenige Arten können ihre Mandibeln nicht zum Nahrungserwerb benutzen. Bei den MĂ€nnchen der HirschkĂ€fer zum Beispiel sind sie so stark vergrĂ¶ĂŸert, dass sie als Fresswerkzeuge unbrauchbar sind. Stattdessen sind sie zu Waffen umgebildet, mit denen die um Weibchen rivalisierenden MĂ€nnchen KĂ€mpfe austragen und mit denen imponiert wird. Sowohl auf den Maxillen als auch auf der Unterlippe sind Taster angeordnet, sogenannte Palpi, auf denen der Geschmackssinn sitzt.

FĂŒhler

Die FĂŒhler der KĂ€fer entspringen am Kopf. Die Lage ihrer Einlenkungsstelle (zwischen oder vor den Augen, innerhalb oder hinter der Wurzel der Oberkiefer und Ă€hnliches) spielt in den BestimmungsschlĂŒsseln hĂ€ufig eine Rolle. Die FĂŒhler sind, wie bei allen Insekten, als Geißelantennen ausgebildet, die nur ein Basal- oder auch Schaftglied mit Muskulatur besitzen, den Scapus. Das darauf folgende Wendeglied, der Pedicellus, ist gemeinsam mit der Geißel gegenĂŒber dem Scapus beweglich. Insgesamt bestehen die FĂŒhler je nach Familie aus fĂŒnf bis zwölf Gliedern, ĂŒberwiegend haben sie aber zehn oder elf Glieder. Sie sind Ă€ußerst unterschiedlich geformt. In manchen Familien haben die MĂ€nnchen anders geformte FĂŒhler (in der Regel grĂ¶ĂŸere und lĂ€ngere) als die Weibchen. Als Grundtypen unterscheidet man fadenförmige (etwa bei den LaufkĂ€fern), am Ende gekeulte (RĂŒsselkĂ€fer) oder gefĂ€cherte (MaikĂ€fer) und gekĂ€mmte (HirschkĂ€fer) FĂŒhler. UnabhĂ€ngig davon heißt ein FĂŒhler „gekniet“, wenn er abgewinkelt ist. Es kommen aber zahlreiche Abstufungen zwischen diesen Grundformen vor. Die Einlenkungsstelle und der Bau der FĂŒhler sind hĂ€ufig fĂŒr eine Familie oder eine andere systematische Einheit charakteristisch. Auf den FĂŒhlern sitzen Organe, mit denen die Tiere riechen können, sie sind jedoch auch Tastorgane, mit denen sie sich orientieren. Bei manchen Familien werden sie zudem zum Festhalten des Geschlechtspartners bei der Paarungsstellung benutzt.

Augen

Die Augen sind als Facettenaugen ausgebildet. Sie setzen sich aus Einzelaugen (Ommatidien) zusammen. Neben dem Grundtyp des Appositionsauges, dem einfachsten Komplexauge, bei dem jedes Einzelauge fĂŒr sich separat und optisch von seinen Nachbarn isoliert ist, gibt es, besonders bei dĂ€mmerungs- und nachtaktiven KĂ€fern, auch sogenannte Superpositionsaugen. Bei diesen sind die Einzelaugen nicht optisch isoliert, sondern die Lichtstrahlen können auch in benachbarte Ommatidien gelangen und die Sehpigmente der dortigen Rhabdome anregen, die Informationen der Lichtreizung an den Sehnerv weiterzuleiten. Dies ermöglicht Sehen auch noch bei geringerer LichtintensitĂ€t und erhöht die wahrgenommene Helligkeit auf ein Vielfaches, allerdings auf Kosten der SehschĂ€rfe. Bei höherer LichtintensitĂ€t können sich die Pigmentzellen verschieben, wodurch funktionell wieder ein Appositionsauge entsteht. Die Augen der KĂ€fer sind nicht immer kreisrund. Meistens liegen sie nierenförmig um den Ansatz der FĂŒhler herum. Im Extremfall, wie etwa bei vielen BockkĂ€fern, sind diese „NierenhĂ€lften“ getrennt.

Ein Sonderfall liegt bei den TaumelkĂ€fern (Gyrinidae) vor, die im Wasser leben. Bei diesen KĂ€fern sind die AugenhĂ€lften auseinandergerĂŒckt, die oberen HĂ€lften bilden ein Paar Augen, das ĂŒber dem Wasserspiegel liegt, die unteren AugenhĂ€lften bilden ein Augenpaar unter dem Wasserspiegel. So können sie gleichzeitig ĂŒber und unter Wasser sehen, wobei die jeweiligen Augenpaare an die unterschiedlichen LichtintensitĂ€ten, WellenlĂ€ngen und Brechungsindizes von Luft und Wasser angepasst sind. Einige wenige KĂ€ferfamilien, wie etwa die SpeckkĂ€fer (Dermestidae), haben nur einfache Punktaugen, wie sie auch die KĂ€ferlarven haben, andere, in Höhlen lebende Arten haben die Augen völlig zurĂŒckgebildet. Zu ihnen gehören unter anderem mehrere Vertreter der LaufkĂ€fer (Carabidae), die endemisch jeweils in nur einer Höhle vorkommen, oder beispielsweise der Segeberger HöhlenkĂ€fer aus der Familie der SchwammkugelkĂ€fer.

Brust (Thorax)

Der Thorax der KĂ€fer besteht aus drei Teilen: Prothorax, Mesothorax und Metathorax. Von oben kann man nur den ersten Abschnitt, den Prothorax, erkennen. Dieser wird vom Halsschild (Scutum) bedeckt. Die anderen beiden Thoraxsegmente liegen unter den DeckflĂŒgeln (Elytren) verborgen, mit Ausnahme eines kleinen Teils des Mesothorax. Dieses Schildchen (Scutellum) ist, falls ĂŒberhaupt, zwischen den DeckflĂŒgeln an deren Basis als kleines Dreieck erkennbar. Von unten sind die drei Thoraxsegmente sichtbar, aber nicht leicht als solche erkennbar. Sie bestehen nĂ€mlich aus mehreren sklerotisierten Chitinplatten, die gegeneinander verschoben sein können, so dass zur Vorderbrust gehörige Platten zwischen solchen der Mittelbrust zu liegen kommen. Insbesondere ragen die Platten der Hinterbrust mindestens ĂŒber den Ansatz des Hinterleibes, so dass auch die Abgrenzung zum Hinterleib nicht leicht erkennbar ist und Mittel- und Hinterbrust als zum Hinterleib zugehörend wirken. An jedem der drei Brustsegmente entspringt ein Beinpaar, an den hinteren beiden Segmenten entspringen zusĂ€tzlich die beiden FlĂŒgelpaare.

Beine

Die Beine haben die gleiche Grundgliederung wie bei den anderen Insekten. Jedes Bein ist in mehrere Abschnitte – HĂŒfte (Coxa), Schenkelring (Trochanter), Schenkel (Femur) und Schiene (Tibia) – gegliedert und hat am Ende zwei- bis fĂŒnfgliedrige FĂŒĂŸe (Tarsen), wobei das letzte Tarsenglied mit Krallen versehen ist. Die Anzahl der Tarsenglieder wird zur Grundeinteilung der KĂ€ferfamilien verwendet. 5–5–4 bedeutet beispielsweise, dass die Hinterbeine vier Tarsenglieder haben, die ĂŒbrigen Beine fĂŒnf. Die Tarsenglieder und auch die anderen Beinsegmente können sehr unterschiedlich lang und geformt sein. Einzelne Segmente können so klein gebaut sein, dass sie im vorhergehenden Glied verborgen sind, so wie das vierte Tarsenglied der BockkĂ€fer (Cerambycidae). Oft sind die Schenkel auch verbreitert. Beim GrĂŒnen ScheinbockkĂ€fer (Oedemera nobils) ist dies so stark der Fall, dass die Schenkel fast kugelig wirken. Die Beine sind je nach KĂ€ferart und Verwendung spezialisiert und können als Laufbeine, Sprungbeine, Schwimmbeine oder Grabbeine ausgebildet sein. Der australische SandlaufkĂ€fer Cicindela hudsoni erreicht mit einer Laufgeschwindigkeit von bis zu 2,5 Meter pro Sekunde eine Spitzenleistung in der Klasse der Insekten. GelbrandkĂ€fer (Dytiscus marginalis) können mit ihren krĂ€ftigen Schwimmbeinen bis zu 0,5 Meter pro Sekunde schwimmen.

Die Gelenke liegen wie bei allen Insekten offen, sodass sie UmwelteinflĂŒssen ausgesetzt sind und nicht auf einem leicht verdunstenden FlĂŒssigkeitsfilm (Synovia) gegeneinander gleiten können. Exemplarisch am Großen SchwarzkĂ€fer (Zophobas morio) wurden Aufbau und Funktionsweise der unverkapselten Gelenke untersucht. Rasterelektronenmikroskopisch zeigen die BerĂŒhrungsoberflĂ€chen, dass sie dicht von Poren ĂŒberzogen sind, die nur einen ÎŒm (ein tausendstel Millimeter) tief sind. Diese wasserabweisende OberflĂ€chenarchitektur mit SelbstreinigungsfĂ€higkeit ist bekannt als Lotoseffekt. Außerdem produziert die OberflĂ€che wachsartige proteinhaltige Substanzen als Schmiermittel, welche die ReibungskrĂ€fte Ă€hnlich wie durch eine PTFE- Beschichtung minimiert.cite-ref-5[5]

FlĂŒgel

Der definierende Unterschied der KĂ€fer zu den ĂŒbrigen Insekten ist der FlĂŒgelbau. Bei den KĂ€fern unterscheidet sich das erste FlĂŒgelpaar deutlich vom zweiten. Die am mittleren Thoraxsegment entspringenden VorderflĂŒgel (Elytren) sind stark sklerotisiert und dienen im Wesentlichen nur dazu, die kunstvoll zusammengefalteten HinterflĂŒgel und den Hinterleib zu bedecken und zu schĂŒtzen. Sie werden bis auf wenige Ausnahmen beim Flug schrĂ€g nach vorn geklappt, sodass das hintere, flugfĂ€hige FlĂŒgelpaar entfaltet werden kann. Im geschlossenen Zustand bilden die DeckflĂŒgel an ihren InnenrĂ€ndern die FlĂŒgeldeckennaht. Nach hinten klaffen sie jedoch hĂ€ufig auseinander. Sie sind bei den meisten KĂ€fern fest, bei manchen, wie zum Beispiel bei den RĂŒsselkĂ€fern, sind sie sogar sehr hart ausgebildet. Die WeichkĂ€fer haben hingegen sehr weiche DeckflĂŒgel. Das zweite FlĂŒgelpaar (Alae) entspringt am hinteren Thoraxsegment und ist wie bei den meisten flugfĂ€higen Insekten als HautflĂŒgel ausgebildet. Die HinterflĂŒgel sind an den stabilisierenden FlĂŒgeladern verstĂ€rkt und sonst hĂ€utig. Sie entfalten sich erst kurz vor dem Start und sind in der Regel wesentlich grĂ¶ĂŸer als die Elytren. Nach dem Flug werden sie meist unter Zuhilfenahme der Hinterbeine wieder gefaltet und unter die DeckflĂŒgel geschoben.

Der Bau der FlĂŒgel variiert stark. Die DeckflĂŒgel können unterschiedlich lang sein und entweder den Hinterleib ganz oder zum ĂŒberwiegenden Teil bedecken oder sie lassen, wie beispielsweise bei den KurzflĂŒglern, den Hinterleib ganz unbedeckt. Die beiden DeckflĂŒgel können auch zusammengewachsen sein, wie etwa bei vielen LaufkĂ€fern (Carabidae). Die HinterflĂŒgel dieser Arten sind dann meist verkĂŒmmert oder fehlen ganz. Die OberflĂ€che der DeckflĂŒgel ist mitunter sehr unterschiedlich ausgefĂŒhrt. Es gibt glatte, beschuppte, behaarte und strukturierte DeckflĂŒgel.

Hinterleib (Abdomen)

Der Hinterleib besteht aus mehreren, meist acht oder neun sichtbaren Segmenten. Die hintersten Hinterleibssegmente liegen im Körper verborgen. Die sichtbaren Segmente bestehen aus zwei halbschalenförmigen Teilen, dem Tergit am RĂŒcken und dem Sternit am Bauch. Die beiden Teile sind seitlich, parallel zur KörperlĂ€ngsachse durch die Pleurite verbunden. Die einzelnen Segmente sind durch SegmenthĂ€ute miteinander verbunden. Dadurch ist der Hinterleib, im Gegensatz zu den starren vorderen Körperabschnitten, beweglich. Die Beweglichkeit ist aber im Vergleich zu den meisten ĂŒbrigen Insekten eher beschrĂ€nkt. Bei manchen Arten, wie beispielsweise bei der Gattung Dytiscus aus der Familie der SchwimmkĂ€fer (Dytiscidae), ist das Abdomen unbeweglich. Die KurzflĂŒgler können den Hinterleib dagegen besonders gut bewegen. Bei der Drohstellung erheben sie das Hinterleibsende steil nach oben und wirken dadurch wesentlich grĂ¶ĂŸer. In den letzten Hinterleibssegmenten sind die Geschlechtsorgane enthalten.

Innerer Aufbau

Die beiden Hauptaufgaben des Blutes bei den Wirbeltieren, Transport der Atmungsgase und der beim Nahrungsstoffwechsel wichtigen Stoffe, werden bei KĂ€fern, wie bei den Insekten allgemein, von zwei verschiedenen Systemen wahrgenommen. Die KörperflĂŒssigkeit, die die Aufgaben des Nahrungsstofftransportes ĂŒbernimmt, nennt man HĂ€molymphe. Sie fließt nicht in Adern, sondern in ZwischenrĂ€umen und Körperhöhlen und umspĂŒlt dabei die Organe der KĂ€fer. Die HĂ€molymphe enthĂ€lt kein HĂ€moglobin und kann farblos oder gelb, manchmal aber auch rot oder grĂŒn gefĂ€rbt sein. Die einzigen BlutgefĂ€ĂŸe sind eine kurze Aorta und ein Röhrenherz, das im oberen Teil des Hinterleibs sitzt. Das Herz hat acht paarige seitliche Öffnungen (Ostien), entsprechend der Anzahl der Hinterleibsringe, durch die das Blut in das Herz eingesaugt wird. Das Herz geht in die Aorta ĂŒber, und die HĂ€molymphe wird aus dem Herz ĂŒber diese in den Kopf transportiert. Der Transport erfolgt mit einem System aus Segelklappen. Es wird aber kein Sauerstoff beziehungsweise Kohlenstoffdioxid transportiert, der Gasaustausch erfolgt ĂŒber Tracheen, die mit ihrem stark verĂ€stelten Röhrensystem alle Organe mit Sauerstoff versorgen. Dieser wird durch seitliche Öffnungen (Stigmen) in den Körper gepumpt, was zum Beispiel deutlich beim FeldmaikĂ€fer (Melolontha melolontha) zu erkennen ist, wenn dessen Hinterleib vor dem Abflug deutliche Pumpbewegungen vollfĂŒhrt. Der maximale Transportweg ist bei diesem Atmungssystem begrenzt, was auch der Grund ist, warum KĂ€fer und Insekten allgemein in ihrem GrĂ¶ĂŸenwachstum beschrĂ€nkt sind. Das Herz schlĂ€gt dabei langsam, beispielsweise beim HirschkĂ€fer (Lucanus cervus) etwa 16-mal in der Minute.

Das Nervensystem findet sich auf der Bauchseite der KĂ€fer, weswegen es auch Bauchmark genannt wird. Es weicht von dem fĂŒr Insekten typischen Bau mehr oder weniger stark ab und ist innerhalb der Ordnung von ungewöhnlicher Vielfalt.cite-ref-6[6] Die insgesamt acht Hinterleibsganglien sind manchmal in den Thoraxbereich verschoben. Je nach Art können (wie im Grundbauplan der Pterygota) alle acht Hinterleibsganglien separat bleiben (bei Lycidae) oder alle, unter Einschluss der drei Thoracalganglien, zu einer kompakten Masse verschmelzen (bei einigen RĂŒsselkĂ€fern). Die Anzahl der separaten Ganglien variiert zum Beispiel von zwei bis zehn bei den LaufkĂ€fern, von eins bis fĂŒnf bei den RĂŒsselkĂ€fern und von zwei bis sieben bei den BlattkĂ€fern. Das Gehirn besteht aus einem Unterschlund-, einem Oberschlundganglion und einem weiteren Ganglion. Es ist insgesamt deutlich kleiner als das Thoraxganglion und liegt unterhalb beziehungsweise oberhalb der Speiseröhre (Ösophagus). Gehirn und Thoraxganglion sind voneinander unabhĂ€ngig, der Körper kann deswegen nach dem Verlust des Gehirns noch fĂŒr einige Zeit weitgehend funktionsfĂ€hig bleiben.

Das Verdauungssystem besteht aus einem Darmtrakt, der bei den verschiedenen Familien verschieden unterteilt sein kann. Bei Fleischfressern ist er kurz, bei Pflanzenfressern kann er die zehnfache KörperlĂ€nge erreichen. Vom Rachen (Pharynx) gelangt die Nahrung ĂŒber die Speiseröhre in den Magen. Der anschließende Mitteldarm besitzt im Vorderabschnitt eine langzottige, im Hinterabschnitt eine kurzzottige innere OberflĂ€che. Der Enddarm ist in DĂŒnndarm (Ileus) und Dickdarm (Rektum) gegliedert. In ihm werden NĂ€hrstoffe in das Blut aufgenommen. Dort sowie in den zwei röhrenförmigen Nieren (Malpighische GefĂ€ĂŸe) werden Stoffwechselprodukte aus den Organen aufgenommen und ĂŒber den After ausgeschieden. Bei manchen KĂ€fern, wie etwa den BombardierkĂ€fern (Brachininae), gibt es im Dickdarm DrĂŒsen, deren Sekret zu Verteidigungszwecken (Wehrsekret) eingesetzt werden kann.

Die Geschlechtsorgane bestehen beim MĂ€nnchen aus paarigen Hoden, verschiedenen DrĂŒsen, die in den jeweiligen Familien sehr verschieden gebaut sein können, und den abfĂŒhrenden KanĂ€len. AnhangsdrĂŒsen und Samenblase variieren ebenfalls. Ein gemeinsamer AusfĂŒhrungsgang mĂŒndet in den Kopulationswerkzeugen. Die Weibchen haben Eierstöcke, AnhangsdrĂŒsen und abfĂŒhrende GefĂ€ĂŸe in verschiedenen Formen. An die Vagina kann eine Samentasche angebunden sein, in der der mĂ€nnliche Samen bis zur Eiablage aufbewahrt wird. Begattung und Besamung können dadurch mehrere Monate auseinanderliegen. Zur Eiablage werden gelegentlich Klebstoffe verwendet, fĂŒr deren Produktion entsprechende DrĂŒsen existieren. Die Ă€ußeren Geschlechtsorgane sind vor allem beim MĂ€nnchen stark sklerotisiert. Ihre komplexe und artspezifische Form, die nach dem SchlĂŒssel-Schloss-Prinzip sehr stark spezialisiert ist, ermöglicht es, viele KĂ€fer, die Ă€ußerlich nicht zu unterscheiden sind, durch Genitaluntersuchungen einer wohldefinierten Art zuzuordnen.

Lebensweise und Verhalten

ErnÀhrung

KĂ€fer besiedeln die meisten LebensrĂ€ume auf der Erde, und es gibt praktisch keine organische Nahrungsquelle, die nicht durch bestimmte KĂ€ferarten ausgeschöpft wird. Dabei ernĂ€hren sich Larven oft ganz anders als ausgewachsene KĂ€fer. Auch das Nahrungsspektrum einzelner Arten variiert stark. Bei den pflanzenfressenden KĂ€fern reicht es von polyphag lebenden Arten, die sich von einer Vielzahl verschiedener Nahrungsquellen ernĂ€hren, bis hin zu monophag lebenden Arten, die nur eine bestimmte Pflanzenart fressen. Es treten zahlreiche Spezialisierungen auf. So gibt es Holzfresser (Xylophage), FĂ€ulnisfresser, die sich von verwesenden Pflanzenteilen ernĂ€hren (Saprophage), und bei diesen wiederum solche, die sich auf Totholz spezialisiert haben (Saproxylophage). Die meisten Pflanzenfresser ernĂ€hren sich aber von BlĂ€ttern, BlĂŒten, Samen, Wurzeln oder StĂ€ngeln der Pflanzen.

Die rĂ€uberischen Familien, wie beispielsweise die LaufkĂ€fer (Carabidae), haben ein großes Nahrungsspektrum. Neben Insekten, anderen GliederfĂŒĂŸern, WĂŒrmern, Schnecken und Raupen fressen diese KĂ€fer auch Wirbeltiere wie Kaulquappen oder kleine Fische, wenn diese zur VerfĂŒgung stehen. Nur wenige KĂ€fer zerkleinern vor dem Fressen ihre Beute. Die meisten injizieren VerdauungssĂ€fte, um dann die verflĂŒssigte Nahrung aufzunehmen (extraintestinale Verdauung). Manche RĂ€uber fressen zusĂ€tzlich auch pflanzliche Nahrung wie Samen oder Pollen.

Neben diesen zwei Gruppen von ErnĂ€hrungstypen gibt es zwei besonders fĂŒr die Ökologie wichtige, nĂ€mlich die der Koprophagen und die der Nekrophagen. Erstere ernĂ€hren sich von Kot, wie etwa die MistkĂ€fer (Geotrupidae), letztere fressen Aas, wie etwa die AaskĂ€fer (Silphidae). Diese Arten fĂŒhren Ausscheidungen beziehungsweise Kadaver durch deren Abbau wieder dem Nahrungskreislauf zu. Außerdem gibt es Pilzfresser (Mykophagen), wie zum Beispiel die BaumschwammkĂ€fer (Mycetophagidae), aber auch solche, die sich von Leder, Federn, Sehnen, Haaren und trockener Haut ernĂ€hren, wie beispielsweise die SpeckkĂ€fer (Dermestidae). Auch anorganische Stoffe, wie Mineralstoffe, werden zum Teil direkt aufgenommen.

Wasser

Neben NĂ€hrstoffen sind KĂ€fer, wie alle Lebewesen, auf Wasser angewiesen. Unter Wasser lebende KĂ€fer können zum Teil sehr gut fliegen, um neue LebensrĂ€ume besiedeln zu können, falls ihr Lebensraum austrocknet. Sie tun dies aber auch, unabhĂ€ngig von der GefĂ€hrdung ihres GewĂ€ssers, um neue LebensrĂ€ume zu erschließen. Neben den KĂ€fern, die im Wasser leben, wie etwa SchwimmkĂ€fer (Dytiscidae), gibt es Arten, die hohe Feuchtigkeit benötigen und deswegen meist um GewĂ€sser anzutreffen sind (Hygrophile). Wiederum andere Arten sind auf Feuchtigkeit angewiesen, leben aber an trockenen und heißen PlĂ€tzen. Besonders in WĂŒstengebieten lebende Arten, wie einige SchwarzkĂ€fer (Tenebrionidae), sind an extreme Trockenheit angepasst. Sie sind nachtaktiv und ernĂ€hren sich allesfressend (omnivor), da sie bei mangelndem Nahrungsangebot nicht wĂ€hlerisch sein können. Auch können sie das Wasser zur Deckung ihres Feuchtigkeitsbedarfs sowohl aus ihrer Nahrung entnehmen als auch sammeln, indem sie Kondenswasser an den FĂŒĂŸen auffangen, die sie weit nach oben richten.

Einige KÀferlarven können sogar ganz ohne direkte Wasseraufnahme leben. In sehr trockenem Holz lebende Arten, wie zum Beispiel der Gemeine NagekÀfer (Anobium punctatum), verdauen das gefressene Holz mit Hilfe von Bakterien. Die dadurch gewonnene Energie speichern sie in Form von Fett. Aus diesem können sie dann chemisch Wasser abspalten.

Atmung

Alle KĂ€fer atmen ĂŒber Tracheen und nehmen so Sauerstoff auf. FĂŒr im Wasser lebende KĂ€fer ergibt sich deswegen ein zusĂ€tzliches Problem, das KĂ€fer an Land nicht haben. Sie mĂŒssen an Sauerstoff zur Atmung gelangen, da sie ihn nicht direkt aus dem Wasser aufnehmen können. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, wie beispielsweise die Larven der TaumelkĂ€fer (Gyrinidae), die den Sauerstoff direkt aus dem Wasser mit Hilfe von speziellen Organen, den Tracheenkiemen, aufnehmen. Tracheenkiemen kommen bei Imagines niemals vor.

Die Imagines der im Wasser lebenden KĂ€ferarten und die Larven der meisten Familien haben zur Sauerstoffaufnahme sehr verschiedene Möglichkeiten entwickelt. Die meisten Arten kommen dazu an die WasseroberflĂ€che und können eine Luftblase mit auf ihre TauchgĂ€nge nehmen. Die einen speichern die Luft zwischen DeckflĂŒgeln und Hinterleib, wie etwa der GelbrandkĂ€fer (Dytiscus marginalis). Andere pumpen Luft durch eine von speziell geformten FĂŒhlern gebildete Rinne auf die Körperunterseite, wie beispielsweise WasserkĂ€fer (Hydrophilidae), wobei die Luft dort zwischen Haaren festgehalten wird. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sie ihre Luftreserve als Blase am Ende des Hinterleibes mit sich fĂŒhren, wobei dies allerdings nur bei kleinen KĂ€fern möglich ist, wie etwa bei denen der Gattung Hyphydrus aus der Familie der SchwimmkĂ€fer (Dytiscidae). Voraussetzung fĂŒr den Transport der Luftblase ist die Unbenetzbarkeit des Körpers, die entweder durch feine Behaarung oder durch eine Fettschicht gewĂ€hrleistet wird. Die HakenkĂ€fer (Elmidae und Dryopidae) sind Plastronatmer, mĂŒssen also zur Atmung nicht an die OberflĂ€che kommen.

Die meisten SchwimmkĂ€fer haben wegen ihrer Atemtechnik einen zum Teil stark modifizierten und daran angepassten Körperbau. Aus dem Sauerstofftransport ergibt sich das Problem, dass die mitgefĂŒhrte Luft einen hohen Auftrieb erzeugt und die KĂ€fer sehr viel Energie fĂŒr das Schwimmen aufwenden mĂŒssen. Deswegen leben besonders die großen KĂ€fer unter ihnen gerne in stark bewachsenen GewĂ€ssern und klammern sich hĂ€ufig an Wasserpflanzen. Einige unter Wasser lebende Arten der BlattkĂ€fer (Chrysomelidae), wie beispielsweise die der Gattung Macroples, brauchen nicht gegen den Auftrieb zu kĂ€mpfen. Sie gewinnen ihren Sauerstoff direkt aus BlĂ€schen, die von Wasserpflanzen abgegeben werden. Auch ihre Larven brauchen zum Atmen nicht an die OberflĂ€che zu steigen. Die Eier werden in StĂ€ngel von Wasserpflanzen gelegt. Die daraus schlĂŒpfenden Larven leben entweder direkt in der Pflanze und entnehmen den Sauerstoff aus deren Leitungsbahnen, oder sie leben im Wasser und haken sich mit dem Hinterleibsende von außen in diese Bahnen ein. Gleiches machen die Puppen der Gattung Donacia. Die Verpuppung der meisten im Wasser lebenden KĂ€fer findet aber an Land statt.

Flugverhalten und Wanderungen

Entsprechend dem Grundbauplan der Insekten haben die KĂ€fer zwei Paar FlĂŒgel, von denen aber nur das hintere Paar, die Alae, zum Fliegen geeignet ist. Das vordere ist sklerotisiert und bildet die schĂŒtzenden Elytren. Die meisten KĂ€fer können mehr oder weniger gut fliegen, wobei Arten wie etwa die SandlaufkĂ€fer (Cicindelinae) sehr wendig sind, hervorragend fliegen können und eine Maximalgeschwindigkeit von bis zu 8 m/s erreichen.cite-ref-schneider-kr-mer-7-0[7] Ähnlich verhĂ€lt es sich mit einigen Schwimm- oder WasserkĂ€ferarten, wie etwa dem Großen KolbenwasserkĂ€fer (Hydrophilus piceus). Diese können ĂŒber weite Strecken fliegen, um neue GewĂ€sser zu besiedeln, wirken aber auf kurzer Distanz sehr ungeschickt und nur wenig wendig. Ebenso zu den guten Fliegern zĂ€hlen die MarienkĂ€fer, die etwa 75 bis 91 FlĂŒgelschlĂ€ge pro Sekunde erreichen. Nicht bei allen KĂ€fern sind die HinterflĂŒgel ausgebildet. Den meisten GroßlaufkĂ€fern der Gattung Carabus fehlen beispielsweise ausgebildete HinterflĂŒgel, ihre DeckflĂŒgel sind an der FlĂŒgeldeckennaht verwachsen.

Beim Starten werden zuerst die DeckflĂŒgel, die wĂ€hrend des Fluges keine Funktion haben, aufgeklappt und die hĂ€utigen HinterflĂŒgel entfaltet, die bis dahin zusammengefaltet an den Hinterleib gelegt waren. Einzige Ausnahme bilden die RosenkĂ€fer (Cetoniinae), bei denen die Elytren beim Fliegen geschlossen bleiben und die FlĂŒgel ĂŒber eine seitliche Aussparung an den Elytren aus- und eingefaltet werden können. Nach dem Flug werden die HinterflĂŒgel, meist unter Zuhilfenahme der Hinterbeine, wieder gefaltet und unter die DeckflĂŒgel geschoben. Dieser Vorgang kann mehrere Sekunden dauern.

Neben dem Kurzstreckenflug, der meist zur Nahrungs- oder Partnersuche unternommen wird, gibt es auch zahlreiche KĂ€fer, die sehr lange Distanzen ĂŒberwinden können. Dabei nehmen sie nicht selten den Wind zu Hilfe oder sind von diesem so abhĂ€ngig, dass sie nur geringe Kurskorrekturen vornehmen können. KĂ€fer unternehmen solche FlĂŒge entweder, um geeignete ÜberwinterungsplĂ€tze aufzusuchen, wie es beispielsweise einige MarienkĂ€fer tun, oder sie fliegen, da in dem bisher bewohnten Gebiet die Nahrung knapp ist, oder um in neue LebensrĂ€ume zu expandieren. In den ersten beiden FĂ€llen kommt es vor, dass sich die Tiere zu riesigen SchwĂ€rmen versammeln. Es wurden schon MarienkĂ€ferschwĂ€rme aus vielen Millionen Tieren beobachtet. Sie orientieren sich einerseits optisch und andererseits auch an klimatischen Faktoren, um ihr Ziel zu erreichen. Ein klassisches Beispiel fĂŒr eine Art, die oft auf der Suche nach neuen LebensrĂ€umen ist, ist der GelbrandkĂ€fer (Dytiscus marginalis). Diese Art verlĂ€sst ihre Feuchtbiotope nicht nur, wenn das Wasser knapp wird, sondern auch unter guten Bedingungen. Sie fliegen dabei nachts und orientieren sich optisch. Durch Glas reflektiertes Mondlicht, wie beispielsweise an GewĂ€chshĂ€usern, kann die Tiere tĂ€uschen und zu einer Landung im vermeintlichen Nass verleiten.

Besondere Eigenschaften

Manche KĂ€ferarten können durch das Aneinanderreiben von Körperteilen GerĂ€usche erzeugen. Neben zahlreichen BockkĂ€fern (Cerambycidae) können die verschiedenen HĂ€hnchen der BlattkĂ€fer (Chrysomelidae), wie etwa das LilienhĂ€hnchen (Lilioceris lilii), durch das Aneinanderreiben des Hinterrandes der FlĂŒgeldecken (Elytren) mit dem Hinterleib zirpende GerĂ€usche erzeugen. MistkĂ€fer der Gattung Geotrupes erzeugen GerĂ€usche, indem sie den Hinterleib gegen die DeckflĂŒgel reiben. Es gibt aber noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, GerĂ€usche zu erzeugen, wie etwa Reibung zwischen Scheitel und Halsschild, zwischen Kehle und Prothorax, zwischen Prothorax und Mesothorax und zwischen den Beinen und dem Hinterleib beziehungsweise den DeckflĂŒgeln. Neben der GerĂ€uscherzeugung durch Aneinanderreiben, die in erster Linie verwendet wird, um Fressfeinde abzuschrecken, können Gescheckte NagekĂ€fer (Xestobium rufovillosum) ihre Geschlechtspartner in Gangsystemen im Holz durch bestimmte Lockrufe orten. Dazu schlagen die KĂ€fer mit Kopf und Halsschild sehr schnell auf das Holz. Einige KĂ€ferarten aus zwei Unterfamilien (SandlaufkĂ€fer und RiesenkĂ€fer) haben trommelfellartige Tympanalorgane entwickelt, um die Ultraschall-Ortungslaute von FledermĂ€usen, die sie jagen, zu hören.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9]

Manche KĂ€fer besitzen die FĂ€higkeit der Lichterzeugung (Biolumineszenz), darunter die LeuchtkĂ€fer (Lampyridae). Jede Art erzeugt spezifische Lichtsignale, wobei meist die MĂ€nnchen leuchtend umherfliegen oder aber die flugunfĂ€higen Weibchen leuchtend auf sich aufmerksam machen. Auf der Unterseite des Hinterleibes der Tiere sind dazu Leuchtorgane ausgebildet, die sich ursprĂŒnglich aus Fettkörpern entwickelten. Sie bestehen aus einer Schicht heller, Licht erzeugender Zellen und aus einer dunklen, weiter innen liegenden Schicht, die als Reflektor dient. Das Leuchten entsteht durch das Umsetzen von Luciferin mit ATP und Sauerstoff durch das Enzym Luciferase. Die dabei freiwerdende Energie wird mit einem Wirkungsgrad von bis zu 95 Prozent in Form von Licht und nur zu dem geringen verbleibenden Teil als WĂ€rme abgegeben. Schon die Larven oder sogar die Eier mancher Arten können auf diese Art leuchten.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die KĂ€fer werden zu den holometabolen Insekten gezĂ€hlt, da sie sich wĂ€hrend ihrer Entwicklung vollstĂ€ndig verĂ€ndern. In der Metamorphose verwandelt sich die Larve, die aus dem Ei geschlĂŒpft ist, nach der Verpuppung zur Imago, dem ausgewachsenen KĂ€fer, der im Erscheinungsbild und im anatomischen Aufbau ganz anders als die Larve ist. Die Larven durchleben in ihrem Wachstum verschiedene Larvenstadien, in denen sie sich hĂ€uten, da sie an Körpermasse zunehmen. Sie verĂ€ndern sich aber nur in ihrer GrĂ¶ĂŸe, nicht in ihrer Gestalt. Sind sie ausgewachsen, verpuppen sie sich in einer freien Puppe (Pupa libera), bei der sĂ€mtliche ExtremitĂ€ten, wie FĂŒhler, Beine oder FlĂŒgel abstehen und auch als solche an der Puppe erkennbar sind. Nur sehr wenige KĂ€ferarten, wie beispielsweise die MarienkĂ€fer, verpuppen sich in einer bedeckten Puppe (Pupa obtecta). Im Puppenstadium werden sĂ€mtliche Organe und der gesamte Körper der Larve zum KĂ€fer umgebaut. Die Puppe ist meist praktisch unbeweglich, nur manche können sich etwas bewegen. Nach der Puppenruhe kann der fertige KĂ€fer schlĂŒpfen und der Kreislauf des KĂ€ferlebens von neuem beginnen.

Die Anzahl der Generationen pro Jahr ist sehr unterschiedlich. In Europa benötigen die meisten KĂ€ferarten ein Jahr, um den gesamten Lebenszyklus zu durchleben. Es gibt aber sowohl Arten, die in einem Jahr mehrere Generationen hervorbringen, als auch solche, bei denen eine Generation mehrere Jahre fĂŒr ihre Entwicklung benötigt.

Partnerwahl, Balzverhalten und KĂ€mpfe

Der Geruchssinn ist, wie bei vielen anderen Insekten, nicht nur sehr wichtig, sondern je nach Art zum Teil auch sehr gut ausgeprĂ€gt. Auffallend ist dies bei den MĂ€nnchen einiger Arten durch besonders große und gekĂ€mmte FĂŒhler zum Auffinden der von den Weibchen ausgesendeten Pheromone. Dennoch gibt es zahlreiche Arten, die das Auffinden eines Partners dem Zufall ĂŒberlassen. Deswegen suchen solche Arten PlĂ€tze auf, an denen das Antreffen von Artgenossen wahrscheinlich ist, so etwa gelbe BlĂŒten bei bestimmten PrachtkĂ€fern (Buprestidae).

Im Allgemeinen können KĂ€fer nicht gut sehen und auch aus nĂ€chster NĂ€he funktioniert das Erkennen des Partners nicht gut. Deswegen kommt es bei den Arten, die nicht nach Geruch suchen, oft zu Fehlpaarungen, da andere, ebenfalls etwa auf gelben BlĂŒten sitzende KĂ€fer mit der eigenen Art verwechselt werden. MĂ€nnchen kĂ€mpfen meist nicht direkt um Weibchen, sondern um BalzplĂ€tze. Dies sind entweder geeignete EiablageplĂ€tze, wie KiefernstĂŒmpfe beim Zimmermannsbock (Acanthocinus aedilis), oder aber PlĂ€tze, an denen die KĂ€fer sich hĂ€ufig treffen, wie etwa auf gelben BlĂŒten, wie oben beschrieben. Das wohl bekannteste Beispiel fĂŒr RivalenkĂ€mpfe liefern in Europa die HirschkĂ€fer (Lucanus cervus): Die MĂ€nnchen werden durch Pheromone der Weibchen angelockt. Treffen zwei MĂ€nnchen gleichzeitig auf ein Weibchen, versuchen sie den Gegner mit ihren stark vergrĂ¶ĂŸerten Mandibeln, die ausschließlich dem Kampf dienen, umzuwerfen oder vom Ast zu stoßen. Nach dem Kampf kann sich der Sieger mit dem Weibchen paaren.

Paarung

Die Paarung (Kopula) der KĂ€fer dauert unterschiedlich lange: von wenigen Sekunden, wie bei Hoplia coerulea, bis hin zu mehreren Stunden (bis zu 18), wie bei MarienkĂ€fern (Coccinellidae). Dabei sind die Paare entweder nur sehr locker verbunden und trennen sich leicht bei einer Störung, oder sie krallen sich sehr fest aneinander und können ohne das Verletzen der Tiere nicht getrennt werden. Beim Geschlechtsakt drĂŒckt das MĂ€nnchen mit dem Penis die Sternite am Hinterleib des Weibchens auseinander, unter denen sich die Geschlechtsöffnung befindet. Danach dringt das MĂ€nnchen ein und es werden die Samen durch Spermatophoren ĂŒbertragen. Nach der Paarung löst sich das MĂ€nnchen entweder mit den Hinterbeinen oder durch seitliches Abrollen vom Weibchen. Zwar genĂŒgt eine Paarung, um das Weibchen dauerhaft zu befruchten, doch werden bei manchen Arten, wie etwa vielen MarienkĂ€fern, bis zu 20 weitere Paarungen vollzogen (PromiskuitĂ€t). Dadurch, dass diese KĂ€fer dann viele verschiedene Geschlechtspartner haben, ist die Gefahr der Übertragung von Geschlechtskrankheiten, die zur Unfruchtbarkeit fĂŒhren, groß. Bei den meisten Arten werden die Spermien vom Weibchen in einer Spermatheca (Receptaculum seminis) aufbewahrt. Die Eier mĂŒssen nicht gleich mit dem Sperma befruchtet werden. Dieses kann, wie auch bei einigen anderen Insekten, lange Zeit im SamenbehĂ€lter aufgehoben werden, bevor es eingesetzt wird. Sind die Eier einmal befruchtet, legt sie das Weibchen ab. Bei den Schwarzen KugelmarienkĂ€fern (Stethorus punctillum) beispielsweise fehlt die Spermatheca allerdings, weswegen ĂŒber die gesamte fruchtbare Zeit neue Partner zur weiteren Befruchtung notwendig sind.

Nur eine Art der KÀfer, Micromalthus debilis aus der Familie der Micromalthidae, kann sich auch ungeschlechtlich (pÀdogen) fortpflanzen.

Ei, Eiablage und BrutfĂŒrsorge

Die Eier der KĂ€fer sind im Vergleich zur GrĂ¶ĂŸe der ausgewachsenen Tiere eher klein. Einzeln sind sie sehr schwer zu entdecken; da sie aber meistens in Gruppen beziehungsweise in Spiegeln nebeneinanderliegend abgelegt werden und zum Teil auffallend gefĂ€rbt sind, fallen solche Gelege schon eher auf. Die Gestalt der Eier ist sehr vielseitig, es gibt runde, ovale, walzen-, wurst-, spindel- und kegelförmige Eier. Sie sind meist weiß oder hell gefĂ€rbt, es gibt aber auch zahlreiche andere Farben; so sind die Eier der meisten MarienkĂ€ferarten (Coccinellidae) gelb bis orange gefĂ€rbt. Gelegt werden je nach Art einige wenige bis zu weit ĂŒber tausend Eier, wobei diese einzeln oder in unterschiedlich großen Gelegen gelegt werden.

Die BrutfĂŒrsorge ist bei den verschiedenen KĂ€ferfamilien Ă€ußerst unterschiedlich. Meistens endet die BrutfĂŒrsorge damit, dass die Eier dort platziert werden, wo die daraus schlĂŒpfenden Larven Futter vorfinden. Entweder werden sie auf den entsprechenden Futterpflanzen abgelegt oder in der NĂ€he zur Larvennahrung platziert, etwa MarienkĂ€fereier an Blattlauskolonien. Im einfachsten Fall ernĂ€hren sich KĂ€fer und Larven ohnehin gleich und die Weibchen mĂŒssen nicht nach geeigneten Futterquellen fĂŒr ihre Larven suchen. In der nĂ€chst schwierigeren Ebene, in der sich die beiden Stadien unterschiedlich ernĂ€hren, mĂŒssen die Weibchen gezielt zum Beispiel Holz bestimmter FutterbĂ€ume aussuchen, obwohl sie sich selber vielleicht von Pollen ernĂ€hren. ZusĂ€tzlich gibt es noch die Möglichkeit, dass die Weibchen ihre Eier verstecken, den Ablageplatz bearbeiten oder die Eier direkt mit Legebohrern in Pflanzen einstechen. Es kann etwa die Rinde angenagt werden, damit dann die Pflanze eine Galle bildet, von der sich die Larve ernĂ€hrt, wie beim Kleinen Pappelbock (Saperda populnea). Andere KĂ€fer, wie beispielsweise viele Blattroller (Attelabidae), schneiden BlĂ€tter zuerst an, um sie dann so zu falten, dass sich ihre Larven in diesen verwelkten Blattwickeln gut geschĂŒtzt entwickeln können. Ähnlich gehen zahlreiche Arten der nahe verwandten RĂŒsselkĂ€fer (Curculionidae) vor, die ihre Eier in Pflanzenteile und FrĂŒchte einstechen, in denen sich dann ihre Larven entwickeln. Es gibt auch KĂ€fer, die andere Arten die BrutfĂŒrsorge erledigen lassen: Der KuckucksrĂŒssler (Lasiorhynchites sericeus) wartet, bis ein Eichenblattroller (Attelabus nitens) sein Blatt fertig gerollt hat und sticht dann sein Ei zusĂ€tzlich in die Blattrolle. WasserkĂ€fer (Hydrophilidae) bauen fĂŒr ihre Eier kleine Schiffchen, die auf der WasseroberflĂ€che treiben, wobei diese sogar einen nach oben verlĂ€ngerten „Schornstein“ haben, damit die Sauerstoffzufuhr auch dann gewĂ€hrleistet ist, wenn die Kapsel unter Wasser gerĂ€t.

Die Eiablage wird komplexer, wenn dazu Bauten angelegt werden. Zahlreiche KĂ€fer, besonders MistkĂ€fer (Geotrupidae), bauen entweder direkt unter ihrer Nahrung (Kothaufen) im Erdreich ein unterschiedlich komplexes Gangsystem, in das sie dann Nahrung einbringen, wobei in jede Kammer ein Ei neben das Futter gelegt wird. Andere, wie etwa der Heilige Pillendreher (Scarabaeus sacer), rollen eine Kotkugel meterweit, bevor sie sie an geeigneter Stelle vergraben. Es gibt auch KĂ€fer, die pflanzliches Material oder Algen in ihre Brutkammern schaffen. Besonders spektakulĂ€r gehen die TotengrĂ€ber (Nicrophorus spec.) vor. Sie graben ganze Kadaver von kleinen Vögeln oder MĂ€usen ein. ZusĂ€tzlich erbricht das Weibchen Darmsekret auf den Kadaver, damit sich dieser beginnt aufzulösen, und sie fĂŒttert ihre Larven sogar unmittelbar nach dem Schlupf. Bis zur Verpuppung wacht das Weibchen in der Brutkammer, verteidigt die Brut gegen Feinde und bessert BeschĂ€digungen aus. Dieses Verhalten wird nicht mehr BrutfĂŒrsorge, sondern Brutpflege genannt, da die KĂ€fer aktiv auch nach der Eiablage fĂŒr ihre Larven sorgen.

Die einfachste Form der Brutpflege ist das Umhertragen der Eier. Die Weibchen der Art Helochares lividus, ein Vertreter der WasserkĂ€fer, tragen ihre Eier in einer Gespinsttasche unter dem Hinterleib, bis die Larven schlĂŒpfen. ambrosiaAndere KĂ€fer, wie die Linierten HolzbohrkĂ€fer (Xyloterus lineatus), pflegen nicht ihre Brut, sondern indirekt deren Nahrung. Sie bohren ein Gangsystem in Holz, in das sie die Eier legen und zĂŒchten in diesen einen Ambrosiapilz, dessen Sporen sie in ihrem Magen umhertragen. Von diesen Pilzen ernĂ€hren sich die Larven. Die Eltern sorgen fĂŒr die richtige Luftfeuchtigkeit und sortieren auch Bakterienherde und andere Schimmelpilze aus. Bemerkenswert ist der Aufwand an Pflege, den die ZuckerkĂ€fer (Passalidae) betreiben. Diese KĂ€fer leben staatenbildend und betreiben gemeinsame Brutpflege. Neben dem FĂŒttern helfen sie ihren Larven auch beim Bau ihrer PuppenhĂŒllen. Interessant leben auch die myrmekophilen KĂ€ferarten, deren Larven in Ameisenbauten aufwachsen. Unter ihnen gibt es solche, die nur durch einen von den Weibchen gebauten Kotpanzer ĂŒberleben können, der sie vor den Ameisen schĂŒtzt, andere, wie etwa der Große BĂŒschelkĂ€fer (Lomechusa strumosa), können aus BorstenbĂŒscheln (Trichomen) ein spezielles Sekret (Exsudat) absondern, das die Ameisen fressen. Dieses Sekret ist aber keine Nahrung, sondern so etwas wie ein Genussmittel. Als Gegenleistung werden die Larven von den Ameisen gefĂŒttert, wobei sie aber auch Ameisenbrut fressen.

Merkmale und Lebensweise der Larve

Die meisten KĂ€ferarten verbringen den Hauptteil ihres Lebens im Larvenstadium. Die Larven benötigen fĂŒr ihre Entwicklung oft mehrere Jahre, die Imagines leben aber nur kurz und sterben schon bald nach der Paarung und Eiablage. Das Larvenstadium ist das einzige, in welchem der KĂ€fer wĂ€chst, deswegen entscheiden die von den Larven vorgefundenen Bedingungen ĂŒber die spĂ€tere GrĂ¶ĂŸe der adulten KĂ€fer.

Die Larven unterscheiden sich in Bau und Lebensweise erheblich von den adulten Tieren. Genauso wie es auch die Imagines tun, leben die Larven in den unterschiedlichsten LebensrĂ€umen und haben ein dementsprechend vielseitiges Aussehen und Verhalten, das jeweils als Anpassung an die Lebensart verstanden werden kann. Die meisten Larven haben einen langgestreckten und schlanken Körper und sind hell gefĂ€rbt. Sie haben wenig gegliederte FĂŒhler und nur einfache Punktaugen (Ocelli). Sie haben entweder drei Beinpaare oder zu Stummeln verkĂŒmmerte oder ĂŒberhaupt keine Beine. Ihr Körper ist nackt bis stark behaart. Das Nervensystem der Larven ist, anders als bei den Imagines, ein typisches Strickleiternervensystem.

Die Lebensweise der Larven ist oft Ă€hnlich der der ausgewachsenen Tiere, so sind etwa bei den rĂ€uberisch lebenden LaufkĂ€fern (Carabidae) die Larven ebenfalls rĂ€uberisch und haben dementsprechend gut ausgebildete Beine und Augen. Bei Pflanzenfressern wie etwa den BlattkĂ€fern (Chrysomelidae) leben die Larven ebenfalls vegetarisch an BlĂ€ttern und sind in der Gestalt Schmetterlingsraupen Ă€hnlich. Es gibt aber auch KĂ€fer, bei denen die Larven gefrĂ€ĂŸige RĂ€uber, die Imagines hingegen harmlose Pflanzenfresser sind, zum Beispiel die WasserkĂ€fer (Hydrophilidae): Die Larven dieser KĂ€fer leben unter Wasser und ernĂ€hren sich rĂ€uberisch, die erwachsenen KĂ€fer sind nur teilweise Wassertiere. Larven, die sich von Holz ernĂ€hren und immer in ihren FraßgĂ€ngen leben, wie etwa die der BockkĂ€fer (Cerambycidae) oder der PrachtkĂ€fer (Buprestidae), haben die Beine zurĂŒckgebildet, denn ihre KörperwĂŒlste sind fĂŒr die Fortbewegung in den GĂ€ngen besser geeignet. Die Sklerotisierung des Körpers ist reduziert, da sie ja in ihren FraßgĂ€ngen geschĂŒtzt sind, nur die Kiefer sind stark sklerotisiert, damit sie hartes Holz zerkleinern können. Einige KĂ€fer, wie beispielsweise ÖlkĂ€fer (Meloidae) oder WerftkĂ€fer (Lymexylidae), haben verschiedene Larventypen, die sich in Aussehen und Lebensweise voneinander unterscheiden (Hypermetamorphose).

Die Dauer der Larvalentwicklung ist stark von der Lebensweise abhĂ€ngig. Stark von Feinden bedrohte Arten und solche, die auf Futter angewiesen sind, das nur kurzzeitig vorhanden ist, wie beispielsweise Aas, mĂŒssen sich rasch entwickeln. Larven, die beispielsweise geschĂŒtzt in Holz leben und ausreichend Nahrung zur VerfĂŒgung haben, können sich mitunter sehr langsam entwickeln. Auch hĂ€ngt die Dauer von der QualitĂ€t des Futters und von den Umweltbedingungen, wie etwa Temperaturen, ab. Der Hausbock (Hylotrupes bajulus) benötigt beispielsweise bei sehr altem und nĂ€hrstoffarmem Holz bis zu 15 Jahre fĂŒr seine Entwicklung.

Da die Außenhaut der Larven nicht wĂ€chst, mĂŒssen sie sich von Zeit zu Zeit hĂ€uten, um wachsen zu können. Die alte Haut platzt dann auf und die Larve kann mit ihrer neuen, dehnungsfĂ€higen und grĂ¶ĂŸeren Haut, die sich bereits unter der alten gebildet hat, herauskriechen.

In nebenstehendem Bild sind die Larven der wichtigsten KĂ€ferfamilien abgebildet.

‱ Obere Reihe: (4) KurzflĂŒgler, (1) SandlaufkĂ€fer, (6) GlanzkĂ€fer
‱ 2. Reihe: (5) AaskĂ€fer, (2) LaufkĂ€fer, (7) SpeckkĂ€fer
‱ 3. Reihe: (8) BlatthornkĂ€fer, der Engerling, (3) SchwimmkĂ€fer, (9) PrachtkĂ€fer
‱ 4. Reihe: (10) SchnellkĂ€fer, (Drahtwurm), (11) WeichkĂ€fer, (12) BuntkĂ€fer
‱ 5. Reihe: (14) SchwarzkĂ€fer (Mehlwurm), (13) DiebskĂ€fer, (15) RĂŒsselkĂ€fer, (16) BohrkĂ€fer
‱ Letzte Reihe: (17) BockkĂ€fer, (18) BlattkĂ€fer, (20) SchildkĂ€fer, (21) MarienkĂ€fer, (19) ebenfalls BlattkĂ€fer

Puppe und Schlupf

Um die Metamorphose von der Larve zur Imago zu vollfĂŒhren, verpuppen sich die Tiere. Die Verpuppung erfolgt entweder im Larvallebensraum, beispielsweise bei den BockkĂ€fern im Holz, oder die Larven suchen geeignete PlĂ€tze zur Verpuppung außerhalb ihrer gewohnten Umgebung auf. Nahezu alle im Wasser lebenden KĂ€ferlarven verlassen beispielsweise die GewĂ€sser, um sich an Land zu verpuppen. Am geeigneten Ort wird eine PuppenhĂŒlle aus Sand-, Erd-, Holz- oder Pflanzenteilen hergestellt. Innerhalb dieser HĂŒlle verwandelt sich die Puppe durch die komplette Auflösung (Histolyse) ihres Körperinneren und den darauffolgenden Neuaufbau des fertigen KĂ€fers. Überwiegend handelt es sich bei den KĂ€fern um freie Puppen (Pupa libera), das heißt, dass die KörperanhĂ€nge wie FĂŒhler-, Bein- und FlĂŒgelscheiden zu erkennen und nicht mit dem Körper verklebt sind, wie bei der Pupa obtecta. Beim Schlupf platzt die PuppenhĂŒlle auf, und der ausgewachsene KĂ€fer kommt zum Vorschein. Nach dem SchlĂŒpfen sind die KĂ€fer noch weich und haben eine helle Körperfarbe. Erst nach einiger Zeit hĂ€rtet der Panzer aus, und die Tiere erhalten ihre endgĂŒltige FĂ€rbung.

Überwinterung

Die KĂ€fer, die mit Jahreszeiten zu leben haben, ĂŒberwintern in der Regel im Puppenstadium und schlĂŒpfen erst im FrĂŒhling. Es gibt aber auch Arten, die als Imagines ĂŒberwintern. Zahlreiche MarienkĂ€fer gehören beispielsweise zu diesen und bilden dafĂŒr meist Aggregationen, die nicht selten Millionen von Individuen umfassen können. WasserkĂ€fer haben eine Art Frostschutzmittel in der KörperflĂŒssigkeit, die dem Ethylenglycol Ă€hnelt. Dadurch können manche Arten bis zu neun Monate im Eis eingefroren ĂŒberleben. Vor ihrem Schlaf sammeln sie Fett, Lipoide und Glykogen in ihrem Körper an, um davon wĂ€hrend des Ruhens zu zehren.

NatĂŒrliche Feinde

Man kann die Feinde der KĂ€fer in drei Gruppen einteilen. Als Erreger von Krankheiten sind bei KĂ€fern Viren, Bakterien, Einzeller und Pilze bekannt. Die Krankheitsbilder können sehr verschieden sein und sind nur wenig erforscht. Teilweise werden die Krankheitserreger bereits zur biologischen BekĂ€mpfung gewisser Arten eingesetzt. Zweitens werden alle Entwicklungsstadien, also Ei, Larve, Puppe und Imago, von zahlreichen Parasiten oder Parasitoiden befallen. Diese gehören hauptsĂ€chlich zu den HautflĂŒglern und unter diesen wiederum vor allem zu den Schlupfwespen. HĂ€ufig sind ebenfalls Raupenfliegen und Milben.

Zur dritten Gruppe gehören die Fressfeinde, zu denen insbesondere die Vögel gehören. Fast alle europĂ€ischen Vogelarten fressen zumindest gelegentlich KĂ€fer. Weiterhin sind insektenfressende SĂ€ugetiere wie MaulwĂŒrfe, Igel, SpitzmĂ€use und fĂŒr nachts fliegende KĂ€fer auch die FledermĂ€use zu nennen. Aber auch viele Reptilien, Amphibien und Fische fressen adulte KĂ€fer oder Larven. Unter den Gliedertieren sind vor allem die Spinnen als Fressfeinde zu nennen, daneben auch zahlreiche rĂ€uberische Insekten, nicht zuletzt viele KĂ€ferarten selbst.

Tarnung und Verteidigung

Da KĂ€fer und insbesondere ihre Larven in der Nahrungskette sehr weit unten stehen, haben sie im Laufe ihrer Entwicklung Methoden erfinden mĂŒssen, sich vor Angriffen ihrer Fressfeinde zu schĂŒtzen. Je effektiver diese Methoden sind und je mehr Nachkommen ĂŒberleben und ihrerseits wieder Nachkommen zeugen, desto geringer ist der Bedarf an vielen Nachkommen. Arten, die von Fressfeinden gemieden werden oder nur schwer entdeckt werden, legen deswegen in der Regel auch weniger Eier als solche, die einzig und allein auf ihre große Anzahl bauen können.

Der einfachste Schutz beginnt bei den passiven FĂ€higkeiten. Dazu gehört die FĂ€rbung. Viele BlattkĂ€fer (Chrysomelidae) zum Beispiel haben eine grĂŒne FĂ€rbung und sind in ihrem Lebensraum, dem Blattwerk, nur schwer zu entdecken. Andere KĂ€fer sind sehr auffĂ€llig gefĂ€rbt und warnen potentielle Feinde durch Warnfarben vor ihrer Giftigkeit, wie etwa MarienkĂ€fer (Coccinellidae), die giftige Alkaloide enthalten, oder aber sie imitieren giftige oder gefĂ€hrliche Tiere (Mimikry), wie es etwa die Wespenböcke (Plagionotus) aus der Familie der BockkĂ€fer (Cerambycidae) machen, obwohl sie eigentlich harmlos sind. Neben diesen einfachen passiven Methoden haben manche KĂ€ferarten auch solche entwickelt, die einen darĂŒber hinausgehenden Schutz gewĂ€hrleisten. Manche Arten, insbesondere deren Larven, schĂŒtzen sich, indem sie ihren Körper mit Kot, Staub und Erde bedecken, wie beispielsweise die Larven der SchildkĂ€fer (Cassidinae), was so weit geht, dass zum Beispiel die Larven des Großen BĂŒschelkĂ€fers (Lomechusa strumosa), die in Ameisenbauten leben, ihre gesamte Entwicklung in einem Kotpanzer verbringen, in den sie sich zurĂŒckziehen können und aus dem sonst nur der Kopf hinaussieht. Die aktive Verteidigung beginnt mit dem Totstellen (Thanatose), wobei oft gleichzeitig durch das Reflexbluten ein Tropfen HĂ€molymphe ausgeschieden wird, der toxisch ist oder unangenehm riecht. Dadurch können beispielsweise MarienkĂ€fer denjenigen Feinden entgehen, die sich von vermeintlich verwesenden KĂ€fern abschrecken lassen. SchnellkĂ€fer (Elateridae) besitzen einen Schnellmechanismus, der es ihnen ermöglicht, wie eine gespannte Feder loszuschnellen, womit sie Angreifer erschrecken können. Dieser Mechanismus hilft ihnen aber auch dabei, wieder auf die Beine zu kommen, sollten sie auf dem RĂŒcken gelandet sein. Eine weitere Methode der Abwehr ist es, neben Zwicken und Beißen mit den Mandibeln, VerdauungssĂ€fte zu spritzen. Viele LaufkĂ€fer (Carabidae) bedienen sich dieser Methode. ZusĂ€tzlich können sie auch ĂŒbel riechende Substanzen aussondern.

Die aggressivste Methode der Selbstverteidigung haben die BombardierkĂ€fer (Brachininae) entwickelt. Sie können reizende und ĂŒbel riechende Gase mit enormem Druck aus zwei Röhren in ihrem Hinterleib Angreifern gezielt ins Gesicht stoßen. Die KĂ€fer stellen den Sprengstoff durch das Mischen zweier sehr reaktiver Chemikalien (Hydrochinon und Wasserstoffperoxid) her. Bei einem Angriff fĂŒgen sie dem Gemenge in einer Explosionskammer die Enzyme Katalase und Peroxidase hinzu, um die Reaktion zu beschleunigen. Diese Katalysatoren setzen das Hydrochinon zu Chinon und das Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff um. Dabei kommt es zu einer heftigen chemischen Reaktion, bei der sowohl WĂ€rme wie auch ein hoher Druck entsteht und ein Ă€tzendes, etwa 100 °C heißes Gasgemisch mit einem Knall aus dem Hinterteil der Insekten auf den Angreifer schießt.

Verbreitung und LebensrÀume

Dass KĂ€fer in einer ungeheuren Vielfalt auftreten, ist bereits ein Indiz dafĂŒr, dass sie sich an praktisch alle LebensrĂ€ume der Erde angepasst haben. Es gibt, abgesehen vom ewigen Eis der Antarktis, kein Gebiet, das sie nicht besiedelt haben, und mit Ausnahme der Ozeane keinen Lebensraum, der nicht von KĂ€fern bewohnt wird. Zwar ist sĂ€mtliches SĂŒĂŸwasser von einer Vielzahl von KĂ€ferarten bewohnt, aber abgesehen von salzliebenden (halobionten) KĂ€ferarten, die Brackwasser, salzige Gegenden im Binnenland und die MeereskĂŒsten besiedeln, gibt es im reinen Salzwasser keine KĂ€fer. Nach ihrer Standortvorliebe werden BodenkĂ€fer charakterisiert.

Manche KĂ€fer bewohnen auch die Nester und Bauten anderer Tiere. Neben den Arten, die in Nestern Überreste fressen, wie zum Beispiel einige Arten der SpeckkĂ€fer (Dermestidae), gibt es KĂ€fer, die sich speziell an das Leben mit anderen Tieren angepasst haben. Dazu zĂ€hlen insbesondere die myrmekophilen Arten wie die der Gattung Clytra aus der Familie BlattkĂ€fer (Chrysomelidae), deren Larven in Ameisennestern leben. Einige wenige Arten leben ektoparasitisch, zum Beispiel Leptinus testaceus auf MĂ€usen und der „Biberfloh“ Platypsyllus castoris auf Bibern. Die Larven einiger Arten sind Parasitoide. Bei der Gattung Aleochara (Staphylinidae) entwickeln sie sich zum Beispiel in Puparien von ZweiflĂŒglern der Gattung Cyclorrapha als Ektoparasitoide (innerhalb der PuparienhĂŒlle, aber außerhalb der Dipterenlarve).cite-ref-10[10]

Systematik

Externe Systematik

Innerhalb der Unterklasse Fluginsekten (Pterygota) sind die KĂ€fer Bestandteil der Überordnung der NeuflĂŒgler (Neoptera). Von diesen spalten sich ĂŒber die Eumetabola die holometabolen Insekten ab. Die holometabolen Insekten, auch Endopterygota genannt, teilen sich in der folgenden Ebene in die Gruppe der NetzflĂŒglerartigen (Neuropterida) und Coleopteroida einerseits und in die HautflĂŒgler (Hymenoptera) und Mecopteroida andererseits auf. Die Coleopteroida teilen sich weiter in KĂ€fer (Coleoptera) und in FĂ€cherflĂŒgler (Strepsiptera) auf, die mit den KĂ€fern somit am nĂ€chsten verwandt sind. Ihre nĂ€chsten Verwandten sind die Kamelhalsfliegen (Raphidioptera), GroßflĂŒgler (Megaloptera) und NetzflĂŒgler (Neuroptera) in der Gruppe der NetzflĂŒglerartigen. Die Stellung der Strepsiptera im System ist sehr umstritten, fĂŒr ein SchwesterngruppenverhĂ€ltnis zu den Coleoptera gibt es sowohl Gegner als auch BefĂŒrworter unter den Taxonomen.

Daraus leitet sich folgendes Kladogramm ab:

Interne Systematik

Die Anzahl der Familien schwankt je nach Autor betrÀchtlich und die klassische Systematik der KÀfer wird deshalb sehr uneinheitlich dargestellt.

Mit ĂŒber 350.000 Arten in 179 Familien stellen sie die grĂ¶ĂŸte Ordnung aus der Klasse der Insekten dar und werden in vier Unterordnungen eingeteilt.cite-ref-beutel1-11-0[11]cite-ref-beutel2-12-0[12] Untersuchungen auf Basis von DNA-Sequenzierungen haben die Abgrenzung der Unterordnungen bestĂ€tigt.cite-ref-13[13] Im Folgenden sind nur die Unterordnungen aufgefĂŒhrt, eine ausfĂŒhrlichere Darstellung bis zur Familienebene findet sich im Artikel Systematik der KĂ€fer.

‱ Unterordnung Archostemata
‱ Unterordnung Myxophaga
‱ Unterordnung Adephaga
‱ Unterordnung Polyphaga

Zur Gruppe der Archostemata werden fĂŒnf Familien gerechnet, die etwa 50 vorwiegend in tropischen und subtropischen Regionen vorkommende Arten enthalten. Sie stehen in einem SchwestergruppenverhĂ€ltnis zu den anderen drei Unterordnungen und stellen eine sehr alte Linie der KĂ€fer mit primitiven Besonderheiten dar, die in ihrer Morphologie den ersten KĂ€fern, die vor ca. 250 Millionen Jahren erstmals auftraten, sehr Ă€hnelt. Sie haben nur fĂŒnf Hinterleibssternite und ihnen fehlen auch die cervicalen Sklerite zwischen Kopf und Prothorax und die Ă€ußeren Pleuren (seitliche Chitinplatten) des Prothorax. Die HĂŒften (Coxa) ihrer Hinterbeine sind beweglich und die Schenkelringe (Trochanter) sind normalerweise gut sichtbar. Ihre FlĂŒgel falten sie aber ebenso wie die Arten der Myxophaga und Adephaga. Sie unterscheiden sich von den Myxophaga auch dadurch, dass die Tarsen mit den PrĂ€tarsen nicht verwachsen sind.cite-ref-cranston-gullan-14-0[14]

Die KĂ€fer der Unterordnung Myxophaga (94 Arten) leben unter Wasser und haben alle gemeinsam, dass ihre Tarsen und PrĂ€tarsen miteinander verwachsen sind. Die dreigliedrigen FĂŒhler der Larven, deren fĂŒnfsegmentige Beine, an deren letzten Tarsengliedern sich nur eine Kralle befindet, und das Zusammenwachsen von Trochantin, Pleuren und den abdominalen Ventriten der Imagines wĂŒrden auf ein SchwestergruppenverhĂ€ltnis zwischen den Myxophaga und den Polyphaga deuten. Die FlĂŒgeladerung und die Faltung der FlĂŒgel sprechen andererseits aber fĂŒr ein SchwestergruppenverhĂ€ltnis zwischen Myxophaga und Adephaga.cite-ref-cranston-gullan-14-1[14]

Die Adephaga beinhalten als zweitgrĂ¶ĂŸte Unterordnung mit 14 Familien bereits eine große Vielfalt von Arten (ca. 37.000). Diese Gruppe ist ebenfalls sehr alt und kann bis in die frĂŒhe Trias vor ungefĂ€hr 240 Millionen Jahren zurĂŒckdatiert werden. Dabei handelt es sich um zum Teil stark spezialisierte Arten. Von ihnen gibt es fossile Funde sowohl von an Land als auch von im Wasser lebenden Arten. Die Larven der Adephaga sind auf die Aufnahme von flĂŒssiger Nahrung angepasst, sie haben ein verwachsenes Labrum und keine SchneideflĂ€chen (Molae) auf den Mandibeln. Bei den Imagines sind die Pleuren (seitlichen Chitinplatten) des Thorax mit der oberen Seite des Pronotums nicht verwachsen und bilden deswegen eine Naht. Die Tiere haben auch sechs Sterna am Hinterleib, von denen die ersten drei miteinander verwachsen sind und durch die Coxae der Hinterbeine geteilt werden. Viele Arten weisen VerteidigungsdrĂŒsen am Hinterleib auf. Man nahm an, dass die Adephaga im SchwestergruppenverhĂ€ltnis zu den Myxophaga und Polyphaga stehen, neueste Erkenntnisse lassen aber darauf schließen, dass die Adephaga nĂ€her mit den Polyphaga verwandt sind.cite-ref-cranston-gullan-14-2[14]

Zur Unterordnung der Polyphaga gehören ĂŒber 90 Prozent der KĂ€ferarten (mehr als 300.000 Arten). Bei den Imagines ist die Trennung der Pleura des Prothorax und der oberen Seite des Pronotums nicht zu erkennen, die Pleura ist aber mit dem Trochantin verwachsen. Daraus ergibt sich, dass eine Naht zwischen Notum und Sternum am Prothorax erkennbar ist; die anderen Unterordnungen haben zwei sichtbare NĂ€hte zwischen Sternum und Pleurum bzw. zwischen Notum und Pleurum. Die cervicalen Sklerite zwischen Kopf und Prothorax sind vorhanden, die Coxae der Hinterbeine sind beweglich und teilen nicht das erste Ventrit, und die FlĂŒgelfaltung unterscheidet sich von der der anderen drei Unterordnungen. Bei den drei anderen Unterordnungen bilden sich durch Queradern Zellen zwischen Radialader und Cubitalader, zwischen denen die Medianader verlĂ€uft und sich aufspaltet. Bei den Polyphaga gibt es keine Zellbildung und maximal eine Querader zwischen Radius und der Mediane.cite-ref-cranston-gullan-14-3[14]

Die VerwandtschaftsverhÀltnisse der vier Unterordnungen lassen sich in folgendem Kladogramm veranschaulichen:

Artenzahlen

KĂ€fer sind die artenreichste Ordnung der Insekten, der (mit möglicher Ausnahme der Prokaryoten) artenreichsten Organismengruppe ĂŒberhaupt. Die Zahl der beschriebenen KĂ€ferarten wird (je nach Quelle) recht ĂŒbereinstimmend mit 350.000 bis 400.000 angegeben. Damit sind 20 % bis 25 % aller ĂŒberhaupt bekannten biologischen Arten KĂ€fer. Das vielleicht hĂ€ufigste Zitat zur Artenvielfalt wird dem britischen Biologen J. B. S. Haldane zugeschrieben (wobei das Zitat heute wahrscheinlich berĂŒhmter ist als er):

„Es gibt eine Geschichte, möglicherweise apokryph, des ausgezeichneten britischen Biologen J. B. S. Haldane, der sich in Gesellschaft einer Gruppe Theologen wiederfand. Auf die Frage, was man wohl ĂŒber die Natur des Schöpfers aus der Untersuchung seiner Schöpfung schließen könne, soll er geantwortet haben: Eine unangemessene Vorliebe fĂŒr KĂ€fer.“cite-ref-15[15]

Die artenreichsten KĂ€ferfamilien sind: RĂŒsselkĂ€fer (Curculionidae): 51.000 Arten (Überfamilie Curculionidea 62.000 Arten),cite-ref-16[16] KurzflĂŒgelkĂ€fer (Staphylinidae): 48.000 Arten, LaufkĂ€fer (Carabidae): 40.000 Arten,cite-ref-17[17] BlattkĂ€fer (Chrysomelidae): 40.000 Arten, BockkĂ€fer (Cerambycidae): 20.000 Arten, PrachtkĂ€fer (Buprestidae): 14.000 Arten. Artenreichste aquatische Gruppe sind die SchwimmkĂ€fer (Dytiscidae) mit gut 4000 Arten.cite-ref-18[18] Aus Deutschland sind, nach der Roten Liste von 1997, 6.537 KĂ€ferarten bekannt.

Die tatsĂ€chliche Artenzahl der KĂ€fer ist unbekannt und Gegenstand heftiger wissenschaftlicher Kontroversen. Sicher ist, dass die weitaus meisten KĂ€ferarten in den Tropen leben, wobei die Neotropis (SĂŒdamerika) offensichtlich besonders artenreich ist. Viele Wissenschaftler halten Artenzahlen von bis zu 5 Millionen fĂŒr durchaus realistisch, andere schĂ€tzen die Gesamtzahl nicht höher als 850.000. In einer berĂŒhmten Arbeit des amerikanischen Biologen Terry L. Erwin hat dieser durch Hochrechnung der Artenzahl, die er auf einer tropischen Baumart in Panama genauer untersucht hat, auf 7,5 Millionen KĂ€ferarten (und 30 Millionen baumlebender tropischer Arthropoden ĂŒberhaupt) geschlossen.cite-ref-19[19] Viele Fachkollegen halten diese SchĂ€tzung fĂŒr ĂŒberhöht, auch wenn Erwin sie nach Untersuchungen im amazonischen Regenwald verteidigt. Eine aktuelle SchĂ€tzung im Jahr 2015, die mehrere Methoden miteinander verbindet, kommt auf eine globale Artenzahl von ca. 1,5 Millionen KĂ€ferarten.cite-ref-20[20] JĂ€hrlich werden ca. 2.300 KĂ€ferarten tatsĂ€chlich neu beschrieben, weit ĂŒberwiegend aus tropischen RegenwĂ€ldern.

FĂŒr die besonders hohe Artenzahl der KĂ€fer gibt es keine allgemein akzeptierte wissenschaftliche ErklĂ€rung. Eine populĂ€re Theorie erklĂ€rt sie als Ergebnis einer Koevolution mit den BlĂŒtenpflanzen, weil phytophage Gruppen in besonderer Weise zur Artenvielfalt beitragen. Der Zusammenhang wird aber vielfach bestritten. Sowohl den Fossilfunden nach als auch nach den Ergebnissen der DNA-Squenzierungen scheint die Aufspaltung (Radiation) der wesentlichen KĂ€fergruppen vor derjenigen der BlĂŒtenpflanzen zu liegen.

Untersuchungen zur Artenzahl sind bereits bei den beschriebenen Arten mit vielen Schwierigkeiten behaftet. Eine unbekannte Anzahl beschriebener Arten (abgeschĂ€tzt vielleicht 20 %) sind in Wirklichkeit Synonyme, d. h. die Art wurde unter einem anderen Namen nochmals beschrieben. In einer abschĂ€tzenden Übersicht (nach taxonomischen Revisionen in Zoological Records) kommen Stork und Hine zu dem Ergebnis, dass 45 % der dort behandelten Arten nur von einer einzigen Stelle bekannt sind. Von 13 % ist ĂŒberhaupt nur ein einziges Exemplar (in der Regel das Typusexemplar) bekannt.

Mensch und KĂ€fer

Innerhalb der Entomologie (Insektenkunde) wird die Lehre von den KĂ€fern als Koleopterologie bezeichnet. Der weit ĂŒberwiegende Teil der KĂ€fer bleibt von Menschen mit Ausnahme der Koleopterologen unbeachtet. Nur wenige, durch ihre GrĂ¶ĂŸe oder FĂ€rbung auffĂ€llige Arten, wie zum Beispiel MaikĂ€fer oder MarienkĂ€fer, sind einer grĂ¶ĂŸeren Allgemeinheit bekannt. Die unauffĂ€lligeren Arten treten nur dann in das Licht der Öffentlichkeit, wenn sie im Leben der Menschen eine besondere Rolle spielen. Am hĂ€ufigsten ist dies der Fall, wenn sie als SchĂ€dlinge, LĂ€stlinge oder aber auch als NĂŒtzlinge auftreten.

Im Gegensatz zu anderen Insektengruppen spielen die KĂ€fer als Parasiten des Menschen keine Rolle.

SchÀdlinge

In der Landwirtschaft bieten die Lagerung bestimmter Nahrungsmittel oder in Monokulturen angebaute Nutzpflanzen gelegentlich gute Bedingungen fĂŒr die Massenvermehrungen bestimmter KĂ€ferarten, so dass diese als SchĂ€dlinge betrachtet werden.

Insbesondere in Lagern finden einige KĂ€ferarten ausreichend Nahrung auf engstem Raum. Beispiele fĂŒr VorratsschĂ€dlinge vornehmlich in betrieblichen Vorratslagern sind Korn- und ReiskĂ€fer, wĂ€hrend die Larven des MehlkĂ€fers hĂ€ufig auch in privaten Haushalten zu finden sind.

Als AgrarschÀdlinge sind unter anderem der KartoffelkÀfer, der RapsglanzkÀfer oder der Westliche Maiswurzelbohrer bekannt. Bei der BekÀmpfung des Maiswurzelbohrers wurde in den letzten Jahren der Einsatz von transgenem Mais in den Medien kontrovers diskutiert.

Die aus Amerika stammenden KartoffelkĂ€fer und Maiswurzelbohrer sind gute Beispiele fĂŒr KĂ€ferarten als Neozoen. Ihre biologische Invasion wurde durch die Einfuhr und den Anbau ihrer Futterpflanzen in Europa vorbereitet. Nachdem die Tiere folgten, fanden sie einen Lebensraum mit guten Nahrungsmöglichkeiten und ohne natĂŒrliche Feinde vor, was ihre Massenverbreitung erleichterte.

Ein KĂ€fer, dessen Einwanderung noch verhindert werden soll, ist der Asiatische LaubholzbockkĂ€fer (Anoplophora glabripennis). Der KĂ€fer befĂ€llt zahlreiche Baumarten und bringt sie zum Absterben. Die ursprĂŒnglich aus Asien stammende Art hat sich in Teilen der Vereinigten Staaten bereits ausgebreitet und dort SchĂ€den von etwa 150 Millionen US-Dollar angerichtet. Ähnliche SchĂ€den werden auch in Europa befĂŒrchtet; deshalb wird der KĂ€fer als QuarantĂ€neschaderreger eingestuft. Sein Auftreten ist beim zustĂ€ndigen Pflanzenschutzdienst meldepflichtig. Bei bisherigen Funden wurden in der Hoffnung, die Ausgangspopulationen ausrotten zu können, intensive BekĂ€mpfungsmaßnahmen durchgefĂŒhrt.

Der einheimische Hausbock (Hylotrupes bajulus) war frĂŒher ebenfalls in ganz Deutschland nach Bauordnungen meldepflichtig. Heute ist er dies nur noch in Sachsen und ThĂŒringen. Die Larven des KĂ€fers leben in verbautem Nadelholz, zum Beispiel in DachstĂŒhlen. Wird der Befall zu spĂ€t erkannt, kann es zu TotalschĂ€den kommen. Ebenfalls in totem Holz lebt der als Holzwurm bekannte Gemeine NagekĂ€fer (Anobium punctatum). Er kann als typischer Bewohner antiker Möbel betrachtet werden.

Zu den bedeutenden SchĂ€dlingen in lebendem Holz gehören die BorkenkĂ€fer. In Deutschland am bekanntesten ist der Buchdrucker (Ips typographus), der insbesondere in forstlich angelegten FichtenwĂ€ldern hohe SchĂ€den anrichten kann. Aber auch in natĂŒrlichen WĂ€ldern sind BorkenkĂ€fer gefĂ€hrlich. So hat der ebenfalls nur fĂŒnf Millimeter große BergkiefernkĂ€fer (Dendroctonus ponderosae) im Westen Kanadas in den letzten Jahren ĂŒber 13 Millionen Hektar Wald zerstört (zum Vergleich: die WaldflĂ€che der Bundesrepublik Deutschland betrĂ€gt etwa 11 Millionen Hektar). Neben dem hohen materiellen Schaden wird bei Waldzerstörungen dieses Ausmaßes sogar eine Auswirkung auf die KlimaerwĂ€rmung befĂŒrchtet.cite-ref-wandtner-21-0[21]

Einige KĂ€ferarten, wie etwa der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo), traten frĂŒher regional als ForstschĂ€dlinge auf, sind heute aber vom Aussterben bedroht.

NĂŒtzlinge

Abgesehen davon, dass viele KĂ€fer eine wichtige Rolle im Naturhaushalt haben, profitiert auch der Mensch von manchen Arten. Zu den wichtigsten dieser Arten zĂ€hlen rĂ€uberisch lebende KĂ€fer, wie beispielsweise LaufkĂ€fer, KurzflĂŒgler und insbesondere MarienkĂ€fer, weil sie fĂŒr den Menschen in der Land- und Forstwirtschaft schĂ€dliche Insekten, Milben und Schnecken vertilgen. Bestimmte MarienkĂ€ferarten werden gegen einige der bedeutendsten landwirtschaftlichen SchĂ€dlinge in Massen gezĂŒchtet. Aber auch in GĂ€rten sind diese blatt- und schildlausfressenden KĂ€fer nĂŒtzlich. Manche KĂ€ferarten spielen zudem bei der BestĂ€ubung von Pflanzen eine Rolle (Cantharophilie).

Im sĂŒdlichen Afrika benutzen die San die HĂ€molymphe der Larven von PfeilgiftkĂ€fern, um ein Pfeilgift herzustellen.cite-ref-22[22] Die Giftpfeile werden sowohl zur Jagd als auch bei Stammeskriegen eingesetzt.

Nahrung

→

Hauptartikel

:

Entomophagie beim Menschen

KĂ€fer, meist im Stadium der Engerlinge, stellen bei einigen Völkern Afrikas,cite-ref-mbah-23-0[23]cite-ref-24[24]cite-ref-25[25] Asiens, SĂŒd- und Mittelamerikas eine teilweise wichtige Nahrungsquelle dar. In der Antike wurden einige Engerlinge (zum Beispiel des HirschkĂ€fers) auch in Europa als Delikatesse verzehrt.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts kannte man in Deutschland und Frankreich eine MaikĂ€fersuppe. Im Magazin fĂŒr Staatsarzneikunde von 1844 empfahl der Medizinalrat Johann Schneider dieses geschmacklich an Krebssuppe erinnernde Gericht als „vortreffliches und krĂ€ftiges Nahrungsmittel“, fĂŒr das 30 KĂ€fer pro Person gefangen, gewaschen und im Mörser zerstoßen, dann in Butter gebraten und mit BrĂŒhe aufgekocht werden. Und er fĂŒgte hinzu, dass unter Studenten kandierte MaikĂ€fer eine beliebte Nachspeise gewesen seien.

Geschichte und Kunst

Den wohl Ă€ltesten Beleg einer KĂ€ferdarstellung, eventuell als GlĂŒckssymbol, bietet ein rund 20.000 Jahre alter, 1,5 Zentimeter großer, aus Mammutelfenbein geschnitzter MarienkĂ€fer, der durch eine Bohrung wahrscheinlich mit einer Schnur um den Hals getragen wurde. Er wurde in Laugerie-Basse im DĂ©partement Dordogne (Frankreich) gefunden.cite-ref-klausnitzer-klausnitzer-28-0[28]

In der Antike beschĂ€ftigten sich manche Naturforscher auch mit KĂ€fern, obgleich ihre Betrachtung in weiten Teilen noch oberflĂ€chlich war. Aristoteles klassifizierte KĂ€fer danach, ob sie ihre FlĂŒgel unter einer Decke verbergen können. Heute kann man etwa 112 KĂ€ferarten aus der antiken Überlieferung einigermaßen genau identifizieren.cite-ref-29[29] Auch die Entwicklung der KĂ€fer in mehreren Stadien war zumindest fĂŒr mehrere Arten bekannt. Wichtigste GewĂ€hrsmĂ€nner fĂŒr die Beschreibung der KĂ€fer waren neben Aristoteles Hesychios von Alexandria und der Römer Plinius der Ältere in seiner Naturgeschichte. Sie berichten unter anderem von Unterarten der Lauf-KĂ€fer, Schwimm-KĂ€fer, KurzflĂŒgler, Leucht-KĂ€fer, Bohr-KĂ€fer, Pflaster-KĂ€fer, Bock-KĂ€fer, RĂŒssel-KĂ€fer und Blatthorn-KĂ€fer. Bei der letzten Gattung ist vor allem der Pillendreher zu nennen.

Der Pillendreher galt im Alten Ägypten als heilig und wurde dort SkarabĂ€us genannt. FĂŒr die Ägypter war er ein Sinnbild des Chepre, eines aus sich selbst entstandenen Urwesens. Er war damit auch eine Versinnbildlichung des Sonnengottes Re; sein Verhalten, große Dungkugeln zu rollen, war ein Symbol fĂŒr den Lauf der Sonne.cite-ref-30[30] Er ist bis heute in großer Zahl als zumeist steinerne Abbildung ĂŒberliefert. Der SkarabĂ€us war auch kunsthandwerklich ein hĂ€ufiges Motiv. Er wurde als Teil von Amuletten, anderem Schmuck oder als Siegel verbildlicht. Besonders wichtig wurde er ab der 18. Dynastie, in der ein Anstieg in Produktion und Bedeutung vor allem der Siegel- und Amulettformen zu beobachten ist. HĂ€ufig wurden SkarabĂ€en Mumien beigegeben. Wie diese wurden auch die KĂ€fer dem Ritual der Mundöffnung unterzogen.

Auch in Aristophanes’ Komödie Der Frieden hat ein ĂŒberdimensionaler MistkĂ€fer als Reittier des Helden Trygaios eine wahrhaft tragende Rolle.

Bis zum Aufkommen naturkundlicher EnzyklopĂ€dien im 13. Jahrhundert verringerte sich die Anzahl bekannter KĂ€ferarten auf etwa sieben, darunter SpeckkĂ€fer, HolzbohrkĂ€fer, MistkĂ€fer (SkarabĂ€en), HirschkĂ€fer, LeuchtkĂ€fer. Die MistkĂ€fer wurden zu den fĂŒr Weidevieh gefĂ€hrlichen Cantharides gezĂ€hlt. Dem LeuchtkĂ€fer schrieb man eine antiaphrodisierende Wirkung zu.cite-ref-31[31]

In der Literatur des frĂŒhen 20. Jahrhunderts wĂ€hlte Franz Kafka in der ErzĂ€hlung Die Verwandlung fĂŒr den Protagonisten Gregor Samsa die Gestalt eines KĂ€fers (= Ungeziefer), um Samsas Scheitern in seiner Familie und in der Gesellschaft zu versinnbildlichen.

Manche KĂ€fer haben auch heute noch besondere Bedeutung. Beispielsweise wird der MarienkĂ€fer wegen seiner NĂŒtzlichkeit geschĂ€tzt und gilt als GlĂŒckssymbol. Deshalb ist er ein beliebtes Motiv auf Briefmarken, GlĂŒckwunschkarten und Ă€hnlichem. Auch der Name MarienkĂ€fer weist auf seine Bedeutung hin: Wegen ihrer NĂŒtzlichkeit in der biologischen SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung glaubten die Bauern, dass die KĂ€fer ein Geschenk der Maria (Mutter Jesu) seien und benannten sie nach dieser.

Medizin

Bekannt ist die medizinische Nutzung von KĂ€fern oder deren Inhaltsstoffen, beispielsweise die Benutzung von Cantharidin fĂŒr blasenziehende Pflaster, unter der Bezeichnung „Cantharis vesicatoria“ auch in Homöopathie und Tierhomöopathie. Eine Steigerung des sexuellen Verlangens durch Einnahme zermahlener Spanischer Fliegen (Lytta vesicatoria) ist nicht möglich.

Novid Beheshti und Andy Mcintosh von der UniversitĂ€t Leeds haben die gasdruckabhĂ€ngigen Eingangs- und Ausgangsventile der Explosionskammer von BombardierkĂ€fern untersucht und den Vorgang dieser Flash-Verdampfung analysiert.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33] Dabei konnten sowohl die SprĂŒhdistanz als auch die TröpfchengrĂ¶ĂŸe kontrolliert eingestellt werden, beides Faktoren, die bei der Verabreichung von Medikamenten durch Aerosolbildung eine wichtige Rolle spielen. Dadurch wird ein biologisch selektionierter Mechanismus fĂŒr medizinische Applikationen interessant.

Vivaristik

KĂ€fer werden auch als Terrarientiere gehalten und gezĂŒchtet.cite-ref-34[34] Es handelt sich dabei fast ausschließlich um exotische Vertreter der Rosen-, Riesen- und HirschkĂ€fer. In Ostasien (vor allem Japan, Korea und Taiwan) ist die KĂ€ferzucht deutlich weiter entwickelt als in Mitteleuropa.

Literatur

‱ Bernard Durin: KĂ€fer und andere Kerbtiere. 4., erweiterte Auflage. Schirmer/Mosel, MĂŒnchen 2013, ISBN 978-3-8296-0631-8.
‱ Heinz Freude (Begr.), Bernhard Klausnitzer (Hrsg.): Die KĂ€fer Mitteleuropas. Elsevier, MĂŒnchen, ISBN 3-334-61035-7.
‱ Severa Harde: Der Kosmos KĂ€ferfĂŒhrer. Die mitteleuropĂ€ischen KĂ€fer. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-06959-1.
‱ Bernhard Klausnitzer: Wunderwelt der KĂ€fer. Herder, Freiburg 1981, ISBN 3-451-19630-1.
‱ Sigmund Schenkling: ErklĂ€rung der wissenschaftlichen KĂ€fernamen aus ReitterÊŒs Fauna Germanica, Stuttgart: K.G. Lutz, 1917, S. 5–35 (online einsehbar)
‱ Edmund Reitter: Fauna Germanica – Die KĂ€fer des deutschen Reiches. (= Digitale Bibliothek. Band 134). Neusatz und Faksimile der 5-bĂ€ndigen Ausgabe. Stuttgart 1908–1916, Directmedia, Berlin 2006, ISBN 3-89853-534-7.
‱ Jiƙi Zahradnik, Irmgard Jung, Dieter Jung u. a.: KĂ€fer Mittel- und Nordwesteuropas. Parey, Berlin 1985, ISBN 3-490-27118-1.

Weblinks

Commons

: KĂ€fer (Coleoptera)

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: KĂ€fer

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Literatur von und ĂŒber KĂ€fer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Edmund Reitters „Fauna Germanica“, alle fĂŒnf BĂ€nde
‱ Bestimmungstabellen
‱ www.koleopterologie.de – Fotosammlung europĂ€ischer und vor allem mitteleuropĂ€ischer KĂ€fer
‱ www.kaefer-der-welt.de – Fotosammlung von KĂ€fern der ganzen Welt
‱ Verzeichnis der KĂ€fer Deutschlands Datenstand als Tabelle, Verbreitung in Deutschlandkarte
‱ Tree of Life Webproject (englisch)
‱ Die KĂ€ferfauna Deutschlands

Einzelnachweise

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cite-note-3131. ↑ Zu KĂ€fern im Mittelalter siehe Christian HĂŒhnemörder: KĂ€fer. In: Hiera-Mittel bis Lukanien. (= .Lexikon des Mittelalters. Band 5). dtv, MĂŒnchen 2002, ISBN 3-423-59057-2, Sp. 848.
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cite-note-3434. ↑ Aquazoo Löbbecke Museum – Haltung und Zucht von Insekten: KĂ€fer, duesseldorf.de, abgerufen am 1. Juni 2016.